K2 2009 (1. Versuch) – Gerlinde berichtet über die letzten Tage


Donnerstag, 30.Juli 2009

Liebe Freunde und Besucher meiner Homepage!

Erstmal möchte ich mich bei allen bedanken, die David und mir während unseres Gipfelversuches am K2 die Daumen gedrückt hatten und in Gedanken mit dabei waren.

Es hat nicht wollen sein. Das Risiko, womöglich nicht mehr gut herunter zu kommen, war uns zu hoch.
Ralf, Andreas und Franz starteten am Tag nach unserer Rückkehr ins Basislager, wieder Richtung Skardu, wo sie heute eintreffen werden. Um ehrlich zu sein, sie fehlen sehr.

David hat entschieden, keinen weiteren Versuch zu starten, heute Morgen hat auch er das Basislager  verlassen. Ich möchte jedoch eine weitere Chance nützen, falls sie kommt und harre noch ein wenig aus. Einige Tage muss und möchte ich mich ausrasten, bevor ich nochmals aufsteigen kann.

Am Abruzzi Grat sind noch Christian, Gerfried und sein Team, Kasachen und ein Koreaner mit seinen zwei Sherpas unterwegs. Bei “mir” herüben an der Cesen Route versuchen eventuell einige Amerikaner noch höher zu klettern.

Im Moment ist es sehr ruhig hier im Basislager, ich esse, was ich runter bringe, schlafe viel und versuche mit zu entspannen und mich auf den nächsten Aufstieg vorzubereiten.

Bevor es wieder losgeht werde ich mich auf jeden Fall noch einmal bei euch melden.

Bis dahin einen sehr herzlichen Gruß und nochmals vielen Dank!!!

Gerlinde


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K2 2009 (1. Versuch) 7. Bericht – letztes update


K2 Basislager – Sonntag, 26. Juli 2009

19:30 Gerlinde und David sind kurz vor Lager II, der Stelle ihres ersten Biwaks. Zwischen der Schulter und Lager III (Biwak II) war es etwas zäher, da die beiden wegen schlechter Standplätze und noch schlechterer, alter Fixseile fast alles abgeklettert sind.

Jetzt geht es hurtiger und ich gehe davon aus, dass Gerlinde und David noch heute, nach 3300 Höhenmeter Abstieg im Basislager eintreffen werden. *

Ich möchte mich an dieser Stelle im Namen von Gerlinde für die vielen positiven, kraftgebenden Rückmeldungen und Ermunterungen bedanken. Charly Gabl hat vorhin in einem Mail geschrieben, dass der Karakorum-Sommer noch eine Weile dauert und der K2 wird auch noch eine Weile stehen.

Evtl. wird es noch einen weiteren Versuch geben.

Einen herzlichen Gruß aus dem Basislager und Danke für Euer Interesse,

Ralf Dujmovits

*Nachtrag: Um 22.40 Uhr sind Gerlinde und David gut unten am Einstieg der Cesen Route angekommen.


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2009 K2 / 7. Bericht – 4. update, Teil I + II

K2 Basislager – Sonntag, 26. Juli 2009

K2 Expedition 2009 / 7. Bericht – 4. update, Teil I

Vor einer Stunde (10:15 Uhr) konnte ich mit Gerlinde reden: sie und David sind in den Felsen links des Flaschenhals knapp oberhalb der üblichen Querung unter dem großen Serac. Um eventuellem Eisschlag auszuweichen sind die beiden dieser sichereren, wahrscheinlich aber zeitlich deutlich aufwendigeren Aufstiegsvariante gefolgt.

Somit fehlen ihnen noch ca. 300 – 350 Höhenmeter bis zum Gipfel. Es sei sehr anstrengend, zum Teil mussten sie hüfthohen Schnee spuren, – aber es geht ihnen gut.

Um 3:20 Uhr waren Gerlinde und David von ihrem Biwak am Beginn der Schulter gestartet. Hier vom Basislager konnte ich Ihren Stirnlampen eine Weile folgen, bis sie auf den flachen Hängen der Schulter nicht mehr zu sehen waren. Der Himmel war zunächst noch sternenklar.

Um 6:15 Uhr meldete sich Gerlinde zum ersten Mal “ Wir sind unterhalb des Flaschenhals und werden die linken Begrenzungsfelsen aufsteigen.“ Es sei sehr  kalt und windig, aber sie seien bisher gut voran gekommen. Bisher sei noch niemand anderes (also die anderen Bergsteiger auf dem Abruzzengrat) auf der Schulter angekommen. Zu diesem Zeitpunkt liegt eine aufgelockerte Schichtbewölkung über dem Karakorum. Der Gipfel des K2 ist allerdings frei.

Die meisten Wolken über dem Karakorum haben sich – wie von Charly Gabl in Innsbruck angekündigt – aufgelöst. Nur am K2 befördert die begonnene Konvektion die Restfeuchte nach oben und es gibt unbedeutende Wolken.

Um 10:20 Uhr meldet sich Fabrizio Zangrilli, der sich vor ein paar Tagen Gerlinde und David angeschlossen hatte, von Lager IV – er wollte Gerlinde und David im Gipfelaufstieg nicht behindern und befinde sich auf dem Weg nach unten. Er habe gerade nochmals einen Liter getrunken und werde jetzt den 3000m-Abstieg antreten.

Und jetzt gerade eben hat sich unser langjähriger Freund Veikka Gustaffson – wir waren 1994 gemeinsam auf dem Gipfel des K2, und 1996 gemeinsam mit Gerlinde auf dem Kangchendzönga – vom Gipfel des Gasherbrum I gemeldet. Sein 14. 8000er. Hurra!!! Herzliche Gratulation!!! Er dankt Charly Gabl von dort oben für den ausgezeichneten Wetterbericht, den ich ihm und seinem japanischen Freund in den letzten Tagen über Sat-Phone immer weitergeben durfte.

Sobald es Neuigkeiten gibt, werde ich mich wieder melden.

Einen herzlichen Gruß mit einer riesen Portion Aufregung,

Ralf Dujmovits

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K2 Expedition 2009 / 7. Bericht – 4. update, Teil II

K2 Basislager – Sonntag, 26. Juli 2009

Gerlinde und David sind im Abstieg, genauer gesagt gerade am letzten Biwakplatz am Beginn der Schulter angekommen.

Um 14:15 kam der entscheidende Funkspruch. Die Tageszeit ist zu sehr fortgeschritten, die Schwierigkeiten in den Felsen links neben dem Flaschenhals haben so viel Zeit gefordert, dass ein Erreichen des Gipfels zu einer vernünftigen Tageszeit nicht mehr möglich sein wird. Abstieg!

Wie schon im 1.Teil des heutigen Newsletters angedeutet, versuchten Gerlinde und David der Eisschlaggefahr unterhalb des großen Serac auf 8300m aus dem Weg zu gehen. Sie querten in die Felsen links des Flaschenhals und waren damit aus der Schußlinie des im vergangen Jahr fatal endenden Eisschlags. Allerdings auch in sehr anspruchsvollem Felsgelände, dass sie in dieser Höhe sehr viel Zeit gebraucht hat.

Um 13:15 Uhr kam ein Funkspruch von Gerlinde, dass sie durch die Felsschwierigkeiten sehr stark aufgehalten worden seien und dass sie am Überlegen seien, wie weitermachen. Ein schnelles Zurückkehren auf die übliche Route des Flaschenhals mit anschliessender sehr gefährlicher Unterquerung des großen Seracs war außer Reichweite und auch objektiv zu gefährlich. Wir besprachen einige Optionen durch und sie wollte sich anschließend mit David besprechen.

Um 14:15 Uhr – wie oben schon gesagt – kam dann die Mitteilung der Umkehr.

Schade, es hat nicht sollen sein – wichtiger ist aber auf alle Fälle die vernünftige Entscheidung und eine gesunde Rückkehr.

Dr. Charly Gabl, unser Freund und Meteorologe aus Innsbruck, hatte uns einen perfekten Tag angekündigt – und der ist bzw. war es bisher auch. Danke nochmals dafür, lieber Charly! Du hast Dir wieder unendlich viel Mühe für uns gemacht. Manchmal aber soll es trotz perfektem Wetter und perfekter Planung nicht sein. Die Sicherheit hat den Ausschlag gegeben.

Gerlinde und David werden zunächst eine ordentliche Trinkpause einlegen und dann das anspruchsvolle Fels- und Kombigelände hinunter zu Lager III absteigen. Sicher werden sie sich von dort wieder melden. Sobald ich letzte Neuigkeiten vom Abstieg habe, werde ich wieder einige Zeilen schreiben.

Einen herzlichen Gruß,

Ralf Dujmovits


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K2 2009 – 7. Bericht – 3. update

K2 Basislager – Samstag, 25. Juli 2009

Ein extrem anstrengender Tag für Gerlinde und David und ein furchtbar spannender Tag für uns im Basislager liegt hinter uns.

Es hatte strahlend angefangen; nämlich gestern abend mit einem völligen Aufklaren und einer wunderbaren Abendstimmung, die später in frische, kalte Luft mit brilliantem Sternenhimmel übergegangen war. Als ich um 01:30 Uhr vor lauter Nervosität zum ersten Mal vor dem Zelt stand noch das gleiche Bild: Sterne und Sternennebel so weit das Auge reicht.

Um 2:45 Uhr stehe ich wieder draußen und schaue nach oben; im Schlafsack war es mir schlagartig zu warm geworden – und tatsächlich hatte es fast völlig zugezogen. Charly hatte zwar noch ein Feuchtigkeitsband vom Süden Pakistans bis zum K2 angekündigt, aber dass es mitten in der Nacht zuzieht war doch etwas beunruhigend.

Mit dem Hellwerden dann aufgelockerte Cumuli-Bewölkung – doch gar nicht so schlecht. Der Broad Peak nebenan passt gerade noch unter die Bewölkung und seine Gipfel sind frei. Um 7:00 Uhr kann ich zum ersten Mal mit Gerlinde und David reden: Außer einigen Böen, die ziemlich am Zelt gerüttelt haben war es eine ruhige Nacht und sie konnten sogar enigermassen schlafen. Sie sind guter Dinge!

Die ersten Sonnenstrahlen konnten ihr Zelt und das von Fabrizio um 8:00 Uhr erreichen, wie wir hier unten mit dem Fernglas verfolgen können. Als die drei um ca. 9:00 Uhr ihren Biwakplatz verliessen fing es leider an zu zu ziehen. Der K2 macht dem Fitz Roy in Patagonien alle Ehre; der ursprünglich Name des Fitz „El Chalten“ bedeutet „der Rauchende“. Es „raucht“ von der Magic Line über die Cesen-Route und den Abruzzen-Grat oberhalb von 7000 m. Fast den ganzem Tag. Zwar können wir immer wieder durch kleine Wolkenlöcher die steile, kombinierte Rampe von Lager III zur Schulter erkennen. Aber Gerlinde und die beiden Männer bleiben im Verborgenen.

Als sich Gerlinde um 12:10 am Funkgerät meldet bin ich erleichtert. „Leider kommen wir nicht so gut voran wie erhofft. Der Fels ist sehr brüchig und die beste Aufstiegsroute nicht einfach zu finden.“ Immer wieder würden alte Fixseile zwar den Weg weissen, aber als Fixseile sind diese von der UV-Strahlung stark versprödeten Polypropylen-Seile nicht zu gebrauchen. (Oftmals reicht ein halbes Jahr starker Sonnenstrahlung auf knapp 8000 m Höhe um aus einem Seil mit ehemals 1000kg Bruchlast nur noch Schrott zu machen.

Fast den ganzen Nachmittag über können wir weder jemanden im Fels erkennen noch am Funkgerät etwas hören. Erst um 17:00 Uhr sehe ich am Beginn der abschliessenden Schneeflanke zur Schulter Gerlinde und David – und weit zurückgefallen Fabrizio. Die ansruchsvollsten Passagen im Kombi-Gelände haben sie hinter sich. Sie werden aber noch mindestens eine Stunde bis zur Schulter brauchen.

Und tatsächlich, vor wenigen Minuten, kurz nach 18:00 Uhr, meldete sich Gerlinde „Sind am Beginn der Schulter angekommen. Es war sehr, sehr anstregend zu zweit alles zu spuren“. Im Hintergrund höre ich das Rauschen des Windes, es muss an dieser ausgesetzten Ecke des K2 sehr stark blasen. Sie wollen jetzt erst mal ihr Minizelt aufbauen, Schnee schmelzen und etwas Flüssigkeit zu sich nehmen und sich dann nochmals melden. „Gutes Zeltaufbauen“ wünsche ich den Beiden – wohlwissend wie hart das bei diesem Wind noch wird.

Für morgen hat Charly – Dr. Karl Gabl – nochmals die zu erwartenden Feuchtewerte und die Windgeschwindigkeiten durchgegeben. Es sieht gut aus für morgen. Jetzt müssen sich Gerlinde und David aber erst mal von den Strapazen des heutigen Tages erholen und vor allem genügend Flüssigkeit zu sich nehmen. Wann und wie es morgen weiter geht werde ich später noch von Gerlinde hören und morgen vormittag in einem ersten Zwischenbericht mitteilen.

Allerbeste Grüße – nach einem deutlichen Abfallen der Anspannung, freue mich riesig, dass die beiden gut bis zur Schulter hinaufgeklettert sind,

Ralf Dujmovits


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