2009 K2 Expedition – 5. Bericht

K2 Basislager, 12. Juli 2009

Liebe Freunde,

zurück von 7100 Meter haben David und ich unsere Akklimatisation abgeschlossen.

Ein kleiner Rückblick:

Wieder saßen wir um 4.30 Uhr beim Frühstück. David und ich sprachen wenig miteinander, ich kaute an einer Scheibe Brot mit Honig, trank, wie immer 1 Tasse Ovomaltine und zwei  Tassen Tee und danach konnte es losgehen. Wir wussten, dass uns ziemliche Spurarbeit erwarten würde. Gemeinsam mit der amerikanischen Mannschaft kamen wir beim Einstieg an. David und ich spurten oft knietief, zum Teil im Schnee bis zu den Oberschenkel, bis nach Lager II. Oberhalb von Lager I fixierten wir bis Lager II die Seile, die Fabrizio und sein Team dort deponiert hatten. Bei Ankunft am Platz von Lager II blies ein eisiger Wind und wir waren einfach erleichtert, als wir unser Zelt aufgebaut hatten und schon bald der erste Liter Flüssigkeit geschmolzen war. Wir spürten die Anstrengung, beide waren wir müde.

Am nächsten Morgen wollten wir eigentlich abwarten, bis die wärmende Sonne auf unser Zelt scheint, die ließ sich jedoch nicht blicken. Wir packten unsere Ausrüstung zusammen und brachen auf Richtung Lager III. Von Beginn an begleitete uns starker Wind. Bei den steilen und felsigen Passagen sicherten wir uns gegenseitig, kühlten leider immer mehr aus und entschieden dann, in einer kleinen Felsnische, vollkommen windgeschützt, unser Zelt aufzubauen. Ein unglaublich eindrucksvoller Platz, von wo aus wir bis ins Basislager sehen konnten, sofern es die Sicht zuließ. In dieser Nacht schliefen wir beide sehr gut. Sehr früh am Morgen hatten wir die Gelegenheit, zumindest kurz den Gipfel des K2 zu sehen, bevor er wieder von der typischen Wolke eingehüllt wurde. Von dort bis zu unserem nächsten Biwak auf 7100m erwartete uns über die gesamte Länge tiefe Spurarbeit und starker Wind. An einem sehr ausgesetzten Felskopf errichteten wir unser Zelt. Für den Toilettengang hatten wir ein Seil gespannt, also kein Platz, um sich rund ums Zelt frei zu bewegen. Abends riss es völlig auf und wieder spürte ich diese Energie und Kraft, die mir diese faszinierende Bergwelt verleiht. David ging es ähnlich.

Eine windstille Nacht lag hinter uns. Jedoch schon um 8.00 Uhr meldete sich der starke Wind zurück. Wir wollten erst noch eine weitere Nacht hier oben verbringen. Nachmittags kam leichter Schneefall dazu und so entschieden wir, abends doch noch abzusteigen. Würde womöglich wieder Neuschnee dazu kommen,  wäre der Hang unter unserem Biwakplatz einfach zu Lawinen gefährlich.

Mit unserem 50 Meter Seil seilten wir die gefährlichen und auch steilen Passagen ab, deponierten in Lager II wieder unsere Ausrüstung und nach insgesamt 3 Stunden kamen wir ziemlich ausgehungert im Basislager an. Unser Küchenteam bereitete ein Abendessen, als wären wir zu sechst!!!

Dabei kamen Ralf, Franz und Andreas erst gestern ( 11.Juli ) hier im Basislager an. David und ich freuten uns riesig, endlich unseren erwarteten Besuch empfangen zu können. Ralf wurde von Franz Fuchs und Andreas Gradl – Redakteur bzw. Kameramann vom ORF begleitet. Sie arbeiten an einem Film an meinem bzw. unserem Versuch am K2.

David und ich hoffen nun, dass uns Charly bald grünes Licht für einen möglichen Gipfelversuch geben wird……

Im Moment erholen wir uns hier im ´Basislager, essen viel und freuen uns über unsere neuen Basislager -Teammitglieder. Allen geht es sehr gut.

Bevor wir zu unserem Gipfelversuch aufbrechen, werde ich mich noch kurz bei euch melden. Bis dahin wünsche ich euch eine gute Zeit und bitte haltet die Daumen, dass sich das Wetter zum Positiven verändert.

Einen sehr herzlichen Gruß aus dem Basislager!

Gerlinde


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2009 K2 Expedition – 4. Bericht

K2 Basislager, 01. Juli 2009

Zurück von der ersten Akklimatisationstour

Schon zwei Tage vor unserem Aufbruch standen die Rucksäcke fertig gepackt im Mannschaftszelt. Nach dem Unfall war ich froh, noch einen Tag für mich zu haben.

Die Nacht bevor es losging schlief ich gut, munter wurde ich erst, als mir Karim Ullah- unser Küchenassistent- um 4.00 Uhr früh eine Tasse Zitronentee ins Zelt reichte.

Sofort war ich hellwach und freute mich, dass es nun losgehen konnte. Am 26. Juni, nach dem Frühstück bewegten wir uns zum Einstieg  der Cesen Route, der nur ca. 20 Minuten von unserem Basislager entfernt liegt. Drei Nächte wollten wir zur Akklimatisation am Berg verbringen. Die erste auf ca. 5850m, die zweite und dritte Nacht auf 6350 m – an dem Platz, wo wir in 2007 unsere Zelte aufgestellt hatten.

Beide Lagerplätze sind sicher vor Steinschlag und Lawinen, klein und sehr ausgesetzt. Diese Ausgesetztheit gilt wohl für die gesamte Cesen Route.

Das sehr bescheidene Wetter ließ während des Aufstieges und auch bei den Lagerplätzen nur kurze, dafür unglaublich beeindruckende Tiefblicke bis ins Basislager zu. Am zweiten Abend auf 6350 m riss es sogar für kurze Zeit richtig auf, sodass wir bis zum Concordia Platz sehen konnten!

Wir beide waren die Einzigen dort oben und einmal mehr spürte ich, wie großartig und respekteinflößend, wie kräftezehrend und gleichzeitig Energie spendend diese Bergwelt ist.

Letzte Nacht stürmte es auch hier im Basislager und ein wenig Neuschnee kam dazu. Unser Küchenzelt erwies sich als nicht wirklich winterfest, aber morgen schon soll sich ja das Wetter wieder bessern. Für unsere nächste Akklimatisation brauchen wir unbedingt besseres Wetter, vor allem weniger Wind, denn dann möchten wir bis auf ca. 7200m aufsteigen…..

Heute startete Ralf von Frankfurt nach Islamabad. In etwa 14 Tagen sollte er hier bei uns im Basislager eintreffen. Ich freue mich sehr darauf!

Euch wünsche ich noch eine angenehme Woche und bis bald!

Liebe Grüße aus dem Basislager

Gerlinde


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2009 K2 Expedition – 3. Bericht

K2 Basislager, 24. Juni 2009

Liebe Freunde und Besucher meiner Homepage,

Am 22. Juni erreichten wir bei sonnigem Wetter die Moräne am Fuße des K2, wo wir unser Basislager aufbauten. David und ich freuten uns sehr, da während des Anmarsches  alles gut verlaufen war. Unsere Träger blieben gesund und waren zufrieden, das Wetter besserte sich von Tag zu Tag und bisher befand sich nur eine kleine Mannschaft mit zwei Bergsteigern im Basislager. Am späten Nachmittag kam noch ein amerikanisches Team dazu.

Gestern (am 23.Juni) jedoch überschattete ein tragischer Unfall unsere Freude. Wir mussten zusehen, wie ein italienischer Bergsteiger, der gemeinsam mit einem schwedischen Profischifahrer links von der Cesen Route mit Skiern abfahren wollte, ca. 600 Meter abstürzte.

Wir konnten ihn leider nur noch tot bergen…. Die Beiden hatten einen großen Traum, den sie zu verwirklichen versuchten…. Mir bleibt nur, seiner Familie und Freunden mein tiefes Beileid auszudrücken.

David und ich möchten nun, nach diesem Ereignis,  noch einen Tag im Basislager bleiben, bevor wir zu unserer ersten Akklimatisation an der Cesen Route aufbrechen.

Nach unserer Rückkehr werde ich mich wieder bei euch melden.

Einstweilen einen sehr herzlichen Gruß aus dem K2 Basislager!

Gerlinde


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2009 K2 Expedition – 2. Bericht

Paju, 18. Juni 2009

Liebe Freunde!

Heute melde ich mich bereits aus Paju ( 3400m ) wo wir gestern mittags ankamen. Hier verbringen wir heute einen Rasttag, zum einen für die Akklimatisation zum anderen bereiten hier unsere Träger ihr Essen für die nächsten Tage vor.

Diesmal hielten wir uns nur kurz in Islamabad auf. Nach unserem Briefing konnten wir glücklicherweise nach Skardu fliegen, wodurch uns eine anstrengende, abenteuerliche Fahrt am Karakorum Highway erspart blieb. In Skardu trafen wir auf unseren Koch Ashaan – den ich schon bei früheren Expeditionen getroffen hatte – und seinen Assistenten Karim. Gemeinsam tranken wir eine Tasse Tee und machten uns hinterher an die Arbeit. Einige Einkäufe mussten wir noch erledigen, unser Begleitoffizier wollte seine Ausrüstung von uns kontrolliert haben und die Plastiktonnen, in denen sich unsere gesamte Ausrüstung befindet, sollten wir auf ziemlich genau 25 Kilo packen.

Am 15. Juni ging es für uns dann so richtig los. Mit einem Jeep fuhren wir über die staubige, zum Teil sehr schmale, abenteuerliche Strasse Richtung Askole. Vor einem “Road  Block” hielt unser Fahrer den Jeep an und legte an einem Hinterrad einen großen Stein. Ein Wasserfall der über die Strasse führte, transportierte aufgrund des seit Tagen regnerischen Wetter viele Steine mit sich, sodass wir diese Stelle nicht passieren konnten. David sprang aus  dem Jeep um zu filmen, Fazeel – unser Begleitoffizier – Armin – unser Guide – sowie der Fahrer stiegen ebenfalls aus um sich ein genaues Bild von der Lage zu verschaffen. Ich blieb vorerst im Jeep sitzen, wollte aber dann doch kurz raus um zu fotografieren. Keine zwei Minuten später rollte der Jeep nach hinten und den Abgrund hinunter. Mit zwei Überschlägen prallte er ca. fünfzehn Meter unterhalb zwischen riesigen Steinblöcken auf. Gott sei Dank befand sich niemand im Jeep!!!! Beim Anblick des zerstörten Jeeps war ich entsetzt und mir zitterten die Knie. Wir hatten wirklich riesiges Glück, diesen Unfall unbeschadet zu überstehen!!

Sogar unsere Ruchsäcke und ein wenig Material konnten wir ohne Schaden bergen. Nur das Fahrzeug selbst ist wohl nicht mehr zu gebrauchen. Später passierten wir zu Fuß, mit unseren Sachen unter den Arm geklemmt, den Wasserfall und trafen auf der anderen Seite unseren Freund AgharAbas. Auf dem Rückweg von Askole saß er durch die verschüttete Strasse ebenfalls fest. Für ihn gab es keine Überlegung, er fuhr uns die restlichen zwei Stunden bis Askole, wo wir um 20.00 Uhr vollkommen erleichtert ankamen. Am nächsten Tag starteten wir mit unseren Trägern Richtung Jola. Nun waren wir froh endlich wieder zu Fuß unterwegs zu sein.

Den heutigen Tag verbringen wir hier in Paju, bevor wir morgen den Baltoro Gletscher betreten werden. Wenn nichts dazwischen kommt werden wir am 22. Juni das K2 Basislager erreichen. Von dort aus möchte ich mich wieder bei euch melden.

Für heute verabschiede ich mich und wünsche euch ein richtig schönes Wochenende!

Herzliche Grüße!

Gerlinde


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