K2 Expedition 2009 – letzter Bericht

Liebe Freunde,

bevor ich morgen früh das Basislager verlasse, möchte ich mich noch einmal bei euch melden.

Wieder hat es nicht sollen sein mit dem Gipfel des K2. Triebschnee bis zur Brust, oberhalb vom Flaschenhals machten  ein Vorwärtskommen äußerst riskant, somit war klar, wieder umkehren zu müssen….

Am 01. August war ich erst noch zeitgleich mit den Amerikanern aufgebrochen Richtung Lager II. Ich kam gut voran und spürte vor allem, dass ich noch ausreichend Kráftreserven hatte. Nach ca. 3 Std. erreichte Fabrizzio, später dann auch seine Teamkollegen ihre Zelte.

Am nächsten Morgen brach ich um ca. 8.00 Uhr auf um auf 7200m zu gelangen. Durch den Nordwestwind waren wir an der Cesen Route gut windgeschützt. Im kleinen Zelt, dass ich mir sonst mit David teilte, hatte ich nun so viel Platz, das erwies sich als eines der wenigen positiven Dinge, wenn man alleine unterwegs ist.

Am 03.August wollte ich sehr früh aufbrechen, ich wusste, was mich erwarten würde. Hinauf auf die Schulter mit viel Spurarbeit. Ich dachte an meinem Vater, er hatte an diesem Tag Geburtstag, ein unbeschreiblich schöner Tag lag vor mir, der mir auch viel Kraft abverlangte.

Kurz unterhalb der Schulter machte ich eine ausgiebige Pause, trank einen Liter und wartete, bis es wieder aufriss. Nach eineinhalb Stunden kam Fabrizzio. Ich stieg weiter bis zur Schulter und spürte Erleichterung, als ich das Zelt von meinen kasachischen Freunden kurz sah, bevor wieder dichte Nebelfezen die Sicht verhüllten. Es hatte also geklappt, wir trafen uns wie vereinbart auf der Schulter. Ich freute mich sehr.

Dort oben ist das Gelände so flach, dass ich nur den Schnee niedertreten musste, um eine perfekte Plattform für mein Minizelt zu haben.

Ich besprach mich mit Maksut, Vasili und Serge, wir wollten um ca. 1.00 früh aufbrechen. Mein Kocher surrte auf Hochtouren, noch einmal konnte ich mit Ralf sprechen, was mir sehr gut tat.

An Schlaf war nicht zu denken, ich ging in Gedanken den bevorstehenden Tag durch, trank was ich nur runter brachte und war voller Zuversicht, dass wir es schaffen würden. Wir hatten fast Vollmond und beim Start bittere Kälte. Mit Vasili, Sergey und Maksut wechselte ich mich beim Spuren ab. Beim Flaschenhals war Mingma ein Sherpa vom koreanischen Team vorne. Er verwendete künstl. Sauerstoff und war jetzt kaum zu bremsen. Der Schnee wuchs und kurz vor der Querung brach plötzlich über uns ein kleines Stück vom Eisserac herunter. Genau das hatte ich gefürchtet. Gott sei Dank ist nichts passiert.

Oberhalb vom Flaschenhals reichte uns der Schnee bis zur Brust. Um ein paar wenige Meter vorwärts zu kommen benötigten wir eine Stunde, wir wechselten uns beim Spuren nach wenigen Metern ab, sicherten uns zusätzlich gegenseitig bis wir einsehen mussten, dass es zu gefährlich wurde. Ein wunderschöner Tag, so kurz vor dem Ziel und doch wollte es nicht sein.

Ich meldete mich bei Ralf; die Natur ist so zu akzeptieren wie sie eben ist. Wunderschön, oft unberechenbar und abweisend, das macht wahrscheinlich mitunter diese Faszination aus.

Wir gaben unser bestes, jetzt kehrten wir um. Auf der Schulter packte ich meine Sachen zusammen begann meinen Abstieg ins Basislager. Ich wusste, dass ich müde bin, umso mehr konzentrierte ich mich auf jeden Schritt, jeden Handgriff.

Ein wunderschöner Abend lag vor mir. Bewusst setzte ich mir Rastpunkte. Vom Aufstieg wusste ich, wo es Plätze gibt an denen ich mich hinsetzen konnte, dann nahm ich mir die Zeit zum Schauen. Die umliegenden Bergspitzen leuchteten in einem wunderschönen Licht, keine Menschenseele weit und breit, der Vollmond war hinter dem Broad Peak aufgegangen, eine beinahe göttliche Stimmung, ich war glücklich…..

Heute Abend werden wir hier im Basislager alle gemeinsam Abendessen. Wir sind froh, dass alle gesund runter gekommen sind. Bestimmt werde ich irgendwann zu diesem wunderschönen Berg zurückkehren.

Bevor ich mich verabschiede, möchte ich einigen Menschen besonders DANKEN

Meinem Mann Ralf, der immer für mich da war und ist, ob hier im B.C. oder später zu Hause am Telefong. Genauso meine Mitarbeiterin im Büro Kathrin Furtner.

Dr. Karl Gabl, zu dem wir Charly sagen dürfen, der rund um die Uhr für mich erreichbar war und mir immer exakt die Wetterdaten voraus sagte.

David Göttler, mein Teamkollege bis vor meinem zweiten Versuch, mit dem ich perfekt zusammen arbeitete und ein richtig gutes Team ergab.

Meinem Küchenteam, ohne die ich wahrscheinlich nicht mehr die Kraft besessen hätte, noch einen zweiten Versuch zu starten.

Euch allen vielen Dank, dass ihr mich in Gedanken unterstützt habt, für die vielen positiven Zeilen dir mir im richtigen Moment Kraft gaben.

An meine Partner und Sponsoren ein großes Dankeschön für die Unterstützung und das Vertrauen in mich.

Ich wünsche euch allen einen angenehmen, unfallfreien Sommer und sende euch sehr herzliche Grüße, noch aus dem Basislager

Eure Gerlinde Kaltenbrunner


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Ende gut, alles gut!


4. August 2009 – 21 Uhr (MEZ)

Gerlinde ist um kurz vor 24:00 Uhr pak. Ortszeit gut im Basislager angekommen. Ihr Heimat-Team freut sich sehr, dass sie gut zurück ist. Sie wird sich morgen melden.

Beste Grüße,

Kathrin Furtner und Ralf Dujmovits


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K2 Expedition 2009 (2. Versuch) – Es hat nicht sollen sein

04/08/2009 12.30 Uhr

Leider hat es wieder nicht sollen sein! Gerlinde ist im Abstieg.

Letztlich war sie gemeinsam mit den beiden Kasachen und dem Russen im brusttiefen Schnee stecken geblieben und nicht mehr vorwärts gekommen. Die fortgeschrittene Zeit hat sein übriges dazu gegeben und so mussten die vier letztlich bei schönstem Wetter den Abstieg antreten. Um kurz nach 16:00 Uhr Ortszeit hat sich Gerlinde nochmals gemeldet: äußerst angestrengt, etwas traurig und gleichzeitig glücklich über diesen wunderschönen, von Dr. Karl Gabl in Innsbruck perfekt vorher gesagten Tag. Alle haben ihr bestes gegeben, die Natur war und ist einfach stärker gewesen und das muss man akzeptieren können. Es soll wohl dieses Jahr mit einer Besteigung einfach nicht sein.

Schon während des Aufstieg durch den Flaschenhals war links der Bergsteiger ein Eisstück des überhängenden Seracs abgebrochen, krachend in die Tiefe gestürzt und hatte alle heftig verschreckt. In der Querung nach links wurde der Triebschnee dann immer tiefer und letztlich hat hinzukommender Schwimmschnee das Vorwärtskommen verunmöglicht.

Die beiden Kasachen haben Gerlinde zu Beginn des Abstiegs gefragt, ob sie nicht noch mal auf der Schulter (auf fast 8000m) übernachten möchte und morgen mit Ihnen einen weiteren Aufstiegsversuch unternehmen möchte, – was aber Gerlinde vernünftigerweise abgelehnt hat. Nachdem sie Ende Mai auf dem Lhotse stand, jetzt zwei mal auf ca. 8300 m war, wäre die Chance sich mit dem stark eingedickten Blut evtl. eine Thrombose oder gar Schlimmeres einzuhandeln einfach zu groß.

Im Laufe des Nachmittags wird Gerlinde noch ein Stück weit über die Cesen-Route alleine absteigen und evtl. am Platz von Lager III oder Lager II übernachten. Ich habe sie gebeten, kein unnötiges Risiko in Kauf zu nehmen und tatsächlich vor dem letzten Abstieg nochmals auszurasten.

Sobald mich Gerlinde vom Abstieg an sicherer Stelle per Satelliten-Telefon erreicht, werde ich hier nochmals einige Zeilen vermerken.

Zunächst wieder beste, etwas entspanntere Grüße,

Ralf Dujmovits


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K2 Expedition 2009 (2. Versuch) 5. update

04/08/2009 11:00 Uhr

Vor wenigen Minuten hat sich Gerlinde gemeldet – von knapp oberhalb der Unterquerung des großen Seracs (ca. 8300 m). Gemeinsam mit den beiden Kasachen Maxut Zhumayev und Vassily Pivtsov sowie dem Russen Serguey Bogomolov versucht sie derzeit im brusthohen Schwimmschnee noch vorwärts zu kommen. Es muss unglaublich anstrengend und schwierig – gleichzeitig sicher auch sehr gefährlich – sein. Die vier wollen versuchen ein Stück weit zu queren um evtl. noch bessere Schneeverhältnisse vorzufinden. Nachdem die Uhrzeit schon wieder sehr fortgeschritten ist (15:00 Uhr pak. Ortszeit) wird es natürlich auch zeitlich wieder sehr knapp. Ich habe Gerlinde deshalb eher in Richtung Umkehr versucht zu motivieren.

Derzeit sind die Kasachen/Russen am Überlegen evtl. morgen nochmals einen Versuch zu unternehmen, was aus meiner Sicht mit der langen Aufenthaltsdauer auf über 8000 m sehr gefährlich ist.

Alle anderen zunächst mit aufsteigenden Bergsteiger darunter Gerfried Göschl und Christian Stangl aus Österreich sind bereits im Abstieg.

Ich wünsche Gerlinde von hier aus eine gute Entscheidung. Sobald ich wieder Neuigkeiten von ihr habe melde ich mich wieder.

Mit äußerst angespannten Grüßen,

Ralf Dujmovits


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