Kurzmeldung vom 08.08.2011

Das K2 Team hat nach anstrengendem Aufstieg und Versicherungsarbeiten zwei Nächte auf knapp 8000m zugebracht. Dies wurde leider notwendig, da es am gestrigen Sonntag den ganzen Tag ergiebig schneite (ca. 30 cm). Heute versuchen sie Lager III zu erreichen und dann in ihr Basislager zurückzukehren, um dort einige Ruhetage verbringen. Den nächsten ausführlichen Newsletter erwarten wir Mitte der Woche.

Das Team um Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits


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5. Bericht – Int. K2 North Pillar Expedition

Virtueller Flug um den K2

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

01.08.2011

Liebe Freunde,

schon während der letzten Tage am Berg – inzwischen über eine Woche her – hatte uns Charly angekündigt, dass wir uns erst mal mit ein paar Tagen weniger gutem Wetter würden abfinden müssen. So stand dann auch bald der Entschluß fest zum Sauerstoff-Tanken ins anfängliche Ausgangslager – auch Chinese Basecamp genannt oder der Name der Einheimischen „Sughet Jungal “ – auf 3850 m abzusteigen.  „Sughet Jungal“ bedeutet so viel wie Urwald oder Dschungel aus Büschen. Und so hatten wir es auch von unseren ersten Tagen in Erinnerung. Wunderbar grün mit frischer, feuchter Luft, die den ausgetrockneten Atemwegen gut tut. Überall Wiesen und Büsche mit kleinen Bächen, dazwischen unsere persönlichen Zelte, ein Mannschafts- und ein kleines Küchenzelt, die wir für solche Rasttage hatten stehen lassen.  Nach über vier Wochen im eher steinigen Italy-Basecamp am Rande des K2-Gletscher war es gut hier unten anzukommen.

So genossen wir auch ausgiebig Spaziergänge im Grünen und in der näheren Umgebung, wir konnten uns genüsslich ausruhen, Lesen und am Nachmittag bei starkem Wind aus dem Shaksgam-Tal unsere Geschicklichkeit mit Tommy’s Lenkdrachen testen. Drei Nächte lang atmeten wir die „dicke“ Luft und konnten uns prima erholen. Sogar die schrundigen Fingerspitzen und verbrannten Lippen heilten und so war es ein echter Gewinn abgestiegen zu sein.

Nach einem längeren Gespräch am Donnerstag Nachmittag mit Charly (Dr. Karl Gabl) – dem wir an dieser Stelle wieder einmal mehr für seine hervorragenden Wettervorhersagen danken möchten – stiegen wir am Freitag Nachmittag bestens ausgeruht in 5 Stunden wieder in unser eigentliches Basislager auf. Wo es andere Annehmlichkeiten gibt: vor allem der sehr motivierende Ausblick auf den K2 – der sich heute immer mal wieder zwischen den stürmisch dahin ziehenden Wolken zeigt –  ist schon die halbe Miete für einen erneuten Start am Montag. Dann nämlich soll es wieder einige Tage brauchbares Wetter geben, während denen wir hoffen unser letztes Lager auf annähernd 8000m erreichen und einrichten zu können.

Für heute wieder beste Grüße von unserem völlig einsamen Basislager,

Gerlinde mit Ralf  und dem ganzen Team


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4. Bericht – Int. K2 North Pillar Expedition 2011

25.07.2011

Fünf Tage oder 4 Hochlagernächte waren wir wieder unterwegs am Berg. Am Samstag Abend sind wir müde aber vor allem auch sehr zufrieden ins Basislager zurück gekommen.

Am 19. Juli waren wir nach Ankündigung einer mindestens sechstägigen Gutwetterphase vom Basislager aus aufgebrochen. Noch sehr bescheidenes Wetter – ab unserem Depot durchgängig Schneefall und starker Nebel – bescherte uns fast 30 cm Neuschnee. Der uns bei Ankunft in Lager I zunächst auch an unseren weiteren Plänen zweifeln ließ. Der Aufstieg über den sehr spaltenreichen Gletscher mit mehreren glimpflich verlaufenen Spaltenstürzen tat sein übriges dazu.

Über Nacht hatte es ein wenig aufgeklart und so starteten wir am 20. Juli um 5:30 Uhr. Das Einstiegscouloir, durch das Nachts noch eine Lawine herunter gesaust war, hatte ordentliche Eisverhältnisse. Am Firngrat dann wieder sehr, sehr anstrengende Tiefschneeverhältnisse – zum Teil mit Harschdeckel, was die Spurarbeit sehr anstrengend machte. Da wir dies erwartet hatten, beschlossen wir an diesem Tag nur bis zur Felsschulter aufzusteigen, wo sich die anderen auf sehr engem Raum zwei Plattformen für ihre Zelte eingerichtet hatten. Wir deponierten dort die mitgebrachten Seile und während die anderen vier am Nachmittag die Seile noch ein Stück weiter nach oben brachten, seilten wir wieder ins Lager 1 ab.

Am darauffolgenden Tag stiegen Ralf und ich mit Seilnachschub auf bis Lager II. Über Nacht hatte es wieder etwas Neuschnee und Wind gegeben, sodass wir erneut tief zu Spuren hatten. Auf 6600 Meter am Platz von Lager II, wo wir vor einer Woche schon persönliches Material deponiert hatten, kamen wir nach insgesamt 11 Stunden an. Wir konnten Seile für die Route nach Lager III mitbringen, während die anderen ihr persönliches Material von der Felsschulter hinauf transportiert hatten. Nun waren wir wieder beisammen.

Das Wetter war lokal, an der Nordseite des K2, mit einem gewissen Staueffekt durch den Südwestwind, sehr unbeständig. Vor allem der Wind und auch immer wieder Schneefall setzten uns zu.
Dennoch wollten Vassiliy, Ralf und ich am nächsten Morgen aufbrechen, um die Route Richtung Lager III zu eröffnen. Maxut, Darek und Tommy stiegen etwa 300 Hm ab. Die am Tag zuvor deponierten Seile mussten nach oben gebracht werden, während wir uns an den weiteren Aufstieg machten. Bei wenig Sicht arbeiteten wir uns am Grat entlang höher. Zwischendurch klarte es immer wieder auf und Sturmböen füllten die getretene Spur in minutenschnelle wieder mit Triebschnee zu. Im felsdurchsetzten Gelände kamen wir etwas schneller voran. Maxut, Ralf und Darek deponierten die mitgebrachten Seile auf ca. 7000 Meter, während Vassiliy und ich noch bis zu unserem geplanten Lager III auf ca. 7250 m die Route versicherten.

Ausgekühlt und sehr zufrieden erreichten wir um ca. 17.00 Uhr wieder unser Lager II, wo Ralf Vassiliy und mich mit heißen Getränken erwartete.
Wir hatten unser nächstes Etappenziel, das Erreichen des Platzes von Lager III, geschafft.

Einen Moment lang überlegten wir, am nächsten Morgen wieder nach Lager III aufzusteigen, dort zu übernachten, um dann bereits an der Route Richtung Lager IV (Ausgangslager für den Gipfel) zu arbeiten. Diese Idee verwarfen wir angesichts des Windes und Schneefalls über Nacht und machten uns am nächsten Morgen, bei aufklarender Sicht, mit sehr viel Zufriedenheit über das bisher Erreichte, an den Abstieg. Kurz vor der Ankunft in Lager I ging westlich unserer Route eine Lawine ab, deren Ausläufer unser Lager I und die Aufstiegsspur dorthin genau nicht gefährden konnten.

Beim Hinauslaufen über den K2-Gletscher entdeckten wir zwischen den Eistürmen noch einen traumhaft gelegenen, kleinen See, der uns schon ans Deep-Water-Soloing mit Eisgeräten und Badehose denken ließ. Wenn denn das Wasser nicht knapp über dem Gefrierpunkt liegen würde.
Eine Stunde später saßen wir bei heißer Nudelsuppe in unserem Mannschaftszelt, wo wir von Abdul, unserem uigurischen Koch, bestens versorgt werden. Die Stimmung im Team ist nach fast 40 Tagen unterwegs sein, sehr gut und positiv.

Charly Gabl hat uns für die nächsten Tage starken Sturm angekündigt. Diese Zeit werden wir zur bestmöglichen Regeneration mit viel Essen und Lesen nutzen.

Für heute verabschieden wir uns wieder mit vielen lieben Grüßen,

Gerlinde und Ralf


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3. Bericht – Int. K2 North Pillar Expedition

 

Virtueller Flug um den K2

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

19.07.2011


Eine Woche ist schon wieder vergangen seit unserem letzten Newsletter. Tage mit bester Teamarbeit am Berg und gutem Vorankommen.

Am 12.Juli waren wir nach 3 Ruhe- und Schlechtwettertagen wieder zu unserem Lager I aufgestiegen. Ab unserem Depot beluden wir unsere Rucksäcke wieder mit Absicherungsmaterial wie Haken, Eisschrauben, Firnanker und Fixseil. Einen der steileren Teile der Nordpfeiler-Route wollten wir in den nächsten Tagen versichern.

Schon bis Lager I hatten wir zum Teil knietiefen Schnee, obwohl sich dieser durch die an diesem Tag intensive Sonneneinstrahlung schon ein wenig setzte. Sobald wir unsere Zelte freigeschaufelt hatten, stärkten wir uns ordentlich mit den Knoblauch-Brat-Kartoffeln, die uns unser Koch Abdul mitgegeben hatte. Wir besprachen die Taktik für den nächsten Tag, der nicht ganz nach Plan verlief.

Im zum Teil hüfthohen Schnee wühlten wir uns aufwärts, kamen jedoch nur langsam voran. Der Aufstieg war kräftezehrend und im oberen, deutlich steiler werdenden Teil des Schneegrates wurde es lawinengefährlich. Wir entschieden es dort gut sein zu lassen, um am nächsten Tag, nachdem sich der Schnee besser gesetzt hätte, an gleicher Stelle weiterzumachen.


Max, Vassiliy, Darek und Tommy stiegen wieder ab ins Lager I, Ralf und ich schaufelten an einer sicheren Stelle des Grates eine kleine Plattform für unser Zelt und verbrachten einen gigantisch schönen Nachmittag auf 5950 Metern. Wie erhofft, gingen entlang des Grats zahlreiche Lawinen ab, so dass wir am nächsten Morgen gut weitersteigen konnten.

Um 6.00 Uhr morgens, wir waren am Grat bereits am Weiterspuren, erreichte uns die Morgensonne. Diese war so kraft- und energievoll, beide spürten wir große Dankbarkeit, in dieser wunderbar wilden Natur unterwegs sein zu dürfen.
Nach den anspruchsvollen Felspassagen ruhten wir uns kurz aus und sahen bereits die anderen nachkommen. Heute wollten wir den Platz von unserem geplanten Lager II erreichen. Während wir uns Meter für Meter aufwärts arbeiteten, rann die Zeit nur so dahin. Maxut und Vassiliy kamen mit Fixseilnachschub hinterher. Die Route ist durchgängig sehr steil und wir werden noch einige Male auf-und-ab steigen müssen. Deshalb wollen wir die Route bestmöglich mit Fixseilen absichern. Ganz ehrlich: diese ist deutlich steiler und anspruchsvoller als von uns erwartet.

Nun stieg Vassiliy, der moralisch außerordentlich gefestigt ist, vor: eine ca. 150 Meter hohe Blankeisflanke mit zuckerartiger Schneeauflage – zum Teil felsdurchsetzt – lag vor uns. Ralf bohrte als Sicherungspunkte wieder einige Abalakov-Eissanduhren für die Zwischensicherungen und Standplätze, während Gerlinde Vassiliy sicherte. Nach einem letzten, sehr heiklen und steilen Felsabschnitt erreichten wir um 20:30 Uhr, über viele Stunden voller Konzentration, eine Höhe von genau 6600 Meter, wo wir unser kleines Zelt aufbauten. Vassiliy seilte sich noch ab bis 6250m, wo Maxut für ihre Nacht alles vorbereitet hatte. Ralf und ich wollten die Nacht auf dem ersten, etwas flacheren Absatz des Pfeilers an der Stelle von Lager II verbringen. Darek und Tommy, die für weiteren Materialnachschub sorgten, schliefen am Schneegrat an unserer Plattform der Nacht zuvor. An diesem Tag war, -wie immer bisher- die Teamarbeit perfekt!

Per Funk waren wir in Kontakt. Vassiliy war gut bei Maxut angekommen und auch Darek und Tommy fühlten sich wohl. Wir hatten große Mühe, nach 14,5 Stunden Aufstieg noch die nötige Flüssigkeit zu schmelzen und zu uns zu nehmen. Die Abendstimmung in Worte zu fassen, ist schier unmöglich. Der gesamte Horizont schien zu glühen und einmal mehr erfüllte uns tiefe Freude. Eine Stunde vor Mitternacht lagen wir endlich in unseren Schlafsäcken. Sehr, sehr müde.

Um 6:00 Uhr klingelte bereits Ralfs Armbanduhr, die er während der Nacht immer unter seiner Mütze aufbewahrt. Wir hatten Funkkontakt mit den anderen ausgemacht. Darek und Tommy brachten noch Material zu Maxut und Vassiliy, wir beide richteten auf 6600 m ein lawinensicheres Depot ein. Nach 2 Stunden Abseilen trafen wir in Lager I alle wieder zusammen und machten uns bei einsetzendem, starkem Schneefall auf den Rückweg in unser vorgeschobenes Basislager. Unser Freund und Meteorologe Charly (Dr. Karl Gabl in Innsbruck) hat mit seinem Wetterbericht wie so oft recht behalten. Zwei Tage schlechtes Wetter sollten nicht zu viel Neuschnee bringen, so dass wir bei unserem nächsten Aufstieg hoffentlich bessere Verhältnisse antreffen werden.

Für heute verabschieden wir uns und senden Euch ganz herzliche Grüße vom Schneetreiben in unserem ABC,

Gerlinde und Ralf


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