Everest basecamp – 4. Bericht

9. Mai 2010

Liebe Freunde,

noch immer befinden wir uns hier im vorgeschobenen Basislager.

Die ersten Tage nach unserer Rückkehr waren notwendig, um uns auszurasten und zu regenerieren nach den Tagen und Nächten in der Höhe. Nun aber wären wir mehr als erholt und warten sehnlich auf gute Nachrichten von Charly Gabl. Im Moment bläst es aber im Gipfelbereich sehr stark und auch die nächsten Tage soll der Jet noch anhalten. Charly kündigt Windgeschwindigkeiten zwischen 110 km/h (Montag) und 150 km/h  (Mittwoch) an. Einmal öfter ist Geduld gefragt.

Gestern stiegen wir in das chinesische Basislager ab. Hat gut getan, – wir trafen unsere Freunde, die  vom nordseitigen ABC ins B.C. zur Erholung abgestiegen sind. Ihr vorgeschobenes Basislager liegt deutlich höher auf 6400m, in dieser Höhe ist wirkliche Regeneration kaum mehr möglich.

Ralf und ich sind in diesen Tagen viel am Lesen, Musik hören, und immer wieder steigen wir auf die Moräne über unserer Basislagermulde, von wo aus wir die komplette Nordwand einsehen können. Im Moment liegt mehr Schnee im Couloir, was wahrscheinlich der Jet in den nächsten Tagen wieder vollkommen “ausputzen” wird. Die Temperaturen sind zu niedrig, sodass sich der Schnee mit dem Eis nicht verbinden kann. Im Gipfelbereich herrschen im Moment -32 bis -35° Celsius.

Ja, abwarten ist an der Tagesordnung! Bestimmt kommen einige windarme Tage. Die Hoffnung stirbt zuletzt 🙂

Bevor wir aufbrechen, melden wir uns noch einmal bei euch.

Für Heute einen herzlichen  Gruß und bis hoffentlich bald wieder.

Gerlinde und Ralf


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Gerlinde und Ralf berichten aus dem Everest BC – 3. Bericht

4. Mai 2010

Liebe Freunde,

In stockdunkler Nacht (ca.22.00 Uhr ) sind wir am 01. Mai wieder in unser Basislager zurückgekehrt. Nach einem langen Abstieg von 7600m gingen uns Sitaram und Tashi eine Stunde  vorm Basislager mit Mangosaft entgegen. Nach einer Nudelsuppe hier im Basislager sind wir mit einem guten Gefühl der perfekten Akklimatisation in einem Tiefschlaf verfallen.

Aufgebrochen waren wir am 26. April zu unserer zweiten und abschließenden Akklimatisation zum Wandfuß. Dort gruben wir unser Depot aus und verbrachten eine gute, aber windige Nacht unter der Nordwand. Von den Bedingungen in der Wand konnten wir bis dahin keine Veränderung feststellen.

Am nächsten Morgen stiegen wir angeseilt über sehr spaltenreiches Gelände und unter zwei großen bedrohlichen Seracs in der Südwand des Changtse in Richtung Nordsattel aufwärts. Mittags hatte es vollkommen zugezogen, am Nordsattel blies starker Sturm. Kurzfristig entschieden wir, ca. 300 m unterhalb in einer geschützten Spalte unser Zelt aufzustellen. Tags darauf mussten wir einen Bergschrund überwinden bevor wir die letzten 300 Höhenmeter bis auf 7100 m aufstiegen. Angeseilt, da Blankeis-Verhältnisse, kletterten wir höher. In der 3. Seillänge krachte mir plötzlich ein tellergroßer Stein auf`s Eisgerät…..Glück gehabt!!! Ralf schrie zu mir herauf, ob alles in Ordnung sei. Mir zitterten ziemlich die Knie, sonst passte alles!!! Wahrscheinlich hatte ein Bergsteiger knapp oberhalb des Nordcols den Stein abgetreten.

Weiter ging es über eine Schneeflanke bevor die Verhältnisse wieder in Blankeis wechselten. Das Gelände war nicht steil. Maximal 45 Grad. Trotzdem blieben wir aufgrund des Steinschlags angeseilt und sicherten uns gegenseitig. Wie fast jeden Tag hatte es wieder zu winden und auch stark zu schneien begonnen. Ralf war ein wenig zu dünn angezogen und war inzwischen völlig ausgekühlt. Am Nordsattel angekommen bauten wir schnell unser kleines Zelt auf und starteten den Kocher. Wir tranken wie immer viel, von Hunger war nicht wirklich die Rede. Trotzdem ein paar Bissen Knäckebrot, Käse und Suppe musste sein. Eine eisige Nacht stand uns bevor. Ralf nieste und schnupfte im Halbstundentakt,- hoffentlich würde er sich bis zum Morgen wieder erholen. Auch Nachts trank er heißes Wasser.

In der Früh wachten wir in Eis überzogenen Schlafsäcken auf  und das gesamte Zeltinnere war mit einer dicken Eisschicht überzogen. Zum Glück kommt dort oben bereits um halb 6 Uhr die Sonne. So konnten wir während des Frühstücks unsere gesamte Ausrüstung trocknen. Ralf fühlte sich wieder besser so stiegen wir am Vormittag weiter auf.

Wir kamen gut voran. Jeder von uns wollte im eigenen Tempo aufsteigen. Ralf war viel damit beschäftigt bei glasklarer Sicht zu fotografieren und zu filmen. Ich wollte inzwischen voraus um einen geeigneten Zeltplatz zu finden; es zeichnete sich ab, dass es am frühen Nachmittag wieder vollkommen zuziehen würde….

Auf 7600 m fand ich einen Platz an dem nicht allzu viel vorzubereiten war. Ein paar grobe Steine wegräumen, etwas Schnee drauf, und schon war die Plattform perfekt. Im Sturm war ich froh, dass wir immer ein unkompliziertes kleines Zelt dabei haben, obwohl wir uns darin doch manchmal ziemlich beengt fühlen. Heute war es ruckzuck aufgestellt und der Gedanke an Enge war keineswegs vorhanden.

Eis holen und schon lief der Kocher. Nun kam auch Ralf an, froh darüber, dass er gleich ins Zelt schlüpfen konnte, waren seine Finger vom Fotografieren doch fast steif geworden.

Beide freuten wir uns über die bisher gelungene gute Akklimatisation. Hoffentlich würde das Wetter halbwegs halten! Im Moment schneite es ziemlich und der Wind blies heftig. Das sollte auch den ganzen nächsten Tag so sein. Unseren Plan am zweiten Tag hier oben ein paar hundert Meter weiter aufzusteigen verwarfen wir wieder. So blieben wir den ganzen Tag auf 7600 m, kochten und füllten unsere Speicher so gut es ging auf. Riss es kurz auf, waren wir mit dem  Fernglas am Suchen nach geeigneten Biwakplätzen in der Nordwand. Viel allerdings sahen wir an diesem Tag nicht.

Am Nachmittag riefen wir Charly in Innsbruck an, der uns die tiefen Temperaturen bestätigte und uns aber Hoffnung auf wärmere Tage ab Mitte kommender Woche machte. Zudem erfuhr ich über den super Erfolg unseres Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, was mich riesig freute!

Eine weitere Nacht wollten wir auf dieser Höhe verbringen. Wir sind beide überzeugt, für eine Besteigung des Everest ohne künstl. Sauerstoff sind zwei Nächte hier oben von großem Vorteil – wenn nicht sogar unabdingbar.

Diese zweite Nacht war für uns beide sehr anstrengend. Es schneite zwar nicht mehr, jedoch stürmte es mit enormer Geschwindigkeit und es war sehr kalt. Beide taten wir kein Auge zu. Immer wieder lauschte ich und überlegte, ob das Zelt auch wirklich ausreichend fixiert und verankert wäre. Ralf bestätigte mir: mit unserem Gewicht darin, könnte es uns fast nicht wegblasen… trotzdem war an Nachtruhe nicht zu denken.

Früh am nächsten Morgen packten wir unsere gesamte Ausrüstung zusammen und stiegen ab zum Nordsattel. Erstaunlich, dass es dort beinahe windstill war!! Hier konnten wir wieder unsere Sachen trocknen und ein kleines Depot anlegen: eine Gaskartusche, ein wenig Essen und ein Seil. Wir entschieden, nicht unsere Aufstiegsroute abzuseilen, da vorherzusehen war, dass es Lawinen- und Steinschlag-gefährlich sein würde. Wir nahmen den zwar um einiges längeren aber sichereren Abstieg ins nordseitige Basislager.  Dort trafen wir auch auf einige Freunde wie Rolf, Andreas, die 3 Spanier sowie Gnaro, Abele und Michelle. Nach einem kurzen Stopp gingen wir um den Changtse herum zurück in unser Basislager. Wir hatten einen sehr langen Abstieg hinter uns. Müde und sehr zufrieden trafen wir wieder hier in unserer Mulde ein. Inzwischen ist auch Joachim Rienhardt  zu uns gekommen, er wird einige Tage hier bei uns im Basislager bleiben.

Wie erwartet haben sich auch wieder die Blauschafe von 2005 hier eingefunden. Nun ist unser Team vollständig. 🙂

Die nächsten Tage werden wir uns erholen und die Wettervorhersagen von Charly Gabl intensiv verfolgen. Noch sind die Temperaturen zu tief (zur Zeit im Gipfelbereich um -35° Celsius), um ohne künstlichen Sauerstoff Richtung Gipfel zu starten. Aufmerksam beobachten wir die Nordwand und hoffen natürlich, dass wir beim nächsten Aufbruch einsteigen und über diese imposante Route den Gipfel werden erreichen können.

Für heute verabschiede ich mich wieder und sende euch allen viele liebe Grüße aus dem Basislager!

Gerlinde mit Ralf


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Gerlinde und Ralf berichten aus dem Everest BC – 2. Bericht

23. April 2010

Liebe Freunde,

der Aufstieg zum Wandfuß erwies sich wie erwartet als unwegsam und lang. Einen Tag später als ursprünglich geplant starteten wir am 18. April von unserem ABC.

Wegen sehr starker, anhaltender Bauchschmerzen stieg Ralf mit Sitaram – unserem Koch – ins Chinese Basecamp ab. Ich hielt hier oben gemeinsam mit den “Schneehühnern” die Stellung. Ein sehr hilfsbereiter mexikanischer Arzt konnte Sitaram helfen, und schon nach einem halben Tag fühlte er sich besser, sodass am Nachmittag beide wieder ins ABC aufsteigen konnten, worüber ich mich riesig freute.

Die ersten hundert Meter vom Basislager entfernt, trafen wir noch auf alte, zum Teil sehr wackelige Steinmänner von der Herbst-Expedition von Alberto Iñurategi. Danach bauten wir alle 50 Meter einen neuen. Mit ca. 15 kg am Rücken war der ständige Steinmännerbau dann doch eine längere Prozedur. Aber lohnend – wir werden noch ein paar Mal den Zentralen Rongbuk-Gletscher mit seinen riesigen Büsereistürmen hinauf- und wieder hinunter müssen. Und die Wegfindung wird dann um Vieles einfacher sein.

Steinmannbau auf dem Zentralen Rongbuk Gletscher

Pause beim Zustieg zur Nordwand

Biwak am letzten Moränenhügel

Am Nachmittag hatte es zugezogen und leicht zu schneien begonnen. Bei fast Null Sicht entschieden wir kurzfristig eine erste Nacht am letzten Moränenhügel zu verbringen.

Bei strahlendem Sonnenschein stiegen wir am nächsten Morgen angeseilt weiter über den flach ansteigenden, sehr spaltenreichen Gletscher bis zum Wandfuß auf 6200 m auf. Wegen des sehr niederschlagsarmen Winters sind die Spalten zumeist zu erkennen oder nur sehr oberflächlich mit einer tückischen Schneeschicht überzogen.

Nach 5 Jahren standen wir nun wieder direkt vor der Everest Nordwand. Unweigerlich kreiste nur ein Gedanke: Werden wir es diesmal schaffen durchzusteigen? Ständig suchten die Augen nach der bestmöglichen Linie. Beide blieben wir mit dem Blick am Einstieg hängen. Wo werden wir den Bergschrund  überwinden können? Gleich morgen früh würden wir den ca. 400 m langen “Spalt” zwischen Gletscher und  dem steil abbrechenden Eis der Nordwand genau anschauen.

Aussicht vom Wandfußlager Pumori, Kumbutse, Gyachungkang (vlnr)

Gerlinde studiert die Wand

Freude über das windfeste Zelt

Erstmal bauten wir unser kleines Zelt auf und verankerten es mit Eisschrauben am Boden, hatte uns doch Charly Gabl – langjähriger Freund und unser Meteorologe aus Innsbruck –  ca. 60 km/h Wind vorausgesagt. Die üblichen 5 Liter Flüssigkeit für jeden von uns dauerten lange, aber es war noch früh am Tag und  wir wollten hauptsächlich die Wand inspizieren, sodass der Kocher nebenbei dahinschnurrte.

Mit Einbruch der Dunkelheit schlüpften wir schon in unsere Schlafsäcke. Außer den Windgeräuschen und dann und wann das tosende Geräusch eines herab fallenden Eisseracs war nichts zu hören. Ewig weit weg von jeglicher Zivilisation, lagen wir zufrieden und voller Zuversicht auf den nächsten Tag in den wärmenden Daunenschlafsäcken.

Gut ausgeruht starteten wir nach dem Frühstück Richtung Wandfuß. Am rechten Rand fanden wir bereits eine zwar waghalsige aber höchstwahrscheinlich doch irgendwie überwindbare Schneebrücke. Etwas fragil aber möglich. …….

Trotzdem wollten wir uns vergewissern, ob es nicht doch noch einen besseren Einstieg geben würde. Ganz links war der Bergschrund über wenige Meter nur ca. einen Meter breit, dort könnte es gut klappen. Wir wollten wenigstens die erste Seillänge klettern, um die Konsistenz des Eises zu spüren. Ein großer Spreizschritt an die Wand, Eisgeräte setzen und sofort eine Eisschraube drehen. Der Blick in den sicher 40 m tiefen Abgrund zwischen Wand und Gletscher ist schon sehr  respekteinflößend.

Bergschrund Everest Nordwand

Gerlinde schon im leichteren Gelände oberhalb des Bergschrunds

Loch gehackt - Material verpackt

Danach einige Meter senkrecht hinauf, die zum Teil 20 cm dicke Schneeauflage ist nicht wirklich mit dem Eis verbunden, dementsprechend schlecht der Halt der Eisgeräte. Danach legt sich das Gelände etwas zurück, in dem sehr harten Eis erweist sich aber auch hier das Setzen der Eisschrauben als sehr mühsam. Danach abseilen. Gut, nun wissen wir ein bisschen mehr. Ralf meinte, nun haben wir dem Everest gerade mal am Hintern gekitzelt. Immerhin schon was. 🙂

Langsam kehrten wir zu unserem Zelt  zurück, es hatte zu stürmen begonnen. Plötzlich wurde unser kleines Zelt zur wunderbarsten Insel der Welt. Charly behielt wie fast immer recht – während der Nacht fürchteten wir mehrfach um die Bodenhaftung unserer kleinen Behausung. Der Wind hielt uns beinahe die ganze Nacht über wach. Viel Zeit zum Gedankenaustausch: positiv, der kaum vorhandene Stein- und Eisschlag, der auf die noch sehr niedrigen Temperaturen zurückzuführen ist. Große Bedenken dagegen von Ralfs Seite wegen des Zeitbedarfs für zusätzliche Sicherung im harten, fast durchgängigen Blankeis und den damit verbundenen Mehrbiwaks – deren Plätze bisher noch nicht wirklich erkennbar sind. Ich hingegen bin positiv und glaube an mögliche weitere Biwakplätze, die uns von hier aus noch verborgen blieben. Vom Nordsattel bei unserer weiteren Akklimatisation werden wir mit dem Fernglas mehr erkennen können.

Bei immer noch starkem Wind bauten wir das Zelt am nächsten Morgen ab und vergruben es samt Schlafsäcken und Matten in einem ausgehackten Eisloch. Noch zwei Markierungsstangen – und danach ab ins Basislager, zu Sitaram und Tashi.

Über jeden von unseren Steinmännern freuten wir uns und waren uns einig, dass wir einen guten Weg gefunden und markiert hatten. 🙂

Sitaram und Gerlinde

Unweigerlich schlich sich unterwegs die Vorstellung von Gemüsereis, Polenta, noch immer “frischen” Karotten und Radi ein.

Angekommen im Basislager, raus aus den dicken Expeditionsschuhen und erst einmal eine Tasse Milchtee, den Sitaram immer besonders gut mit Kardamon zubereitet.

Nun werden wir noch einen Tag hier verbringen und dann zur nächsten Akklimatisation aufbrechen. Geplant haben wir vom Wandfuß aus über die alte Odellroute zum Nordsattel aufzusteigen. Dort oben möchten wir eine Nacht verbringen und eventuell noch zwei weitere ein Stück oberhalb des Nordsattels.

Danach werden wir uns wieder melden. Bis dahin einen lieben Gruß aus unserer sonnigen, windgeschützten Basislagermulde.

Gerlinde und Ralf


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Gerlinde und Ralf berichten aus dem Everest BC – 1. Bericht

-21

15.04.2010

Liebe Freunde,

Soviel vornweg: es geht uns gut und unsere Akklimatisation schreitet gut voran. Seit 12. April abends sind wir in unserem vorgeschobenen Basislager auf 5550m.

Kaum mehr konnten wir es erwarten, wieder in Kathmandu zu landen. Die zwei Tage in Kathmandu hatten wir wie immer viel zu tun. Die Luftfracht kontrollieren, restliches Material in unserem Store bei der Agentur zusammen zu packen, letzte Einkäufe….

Von Deutschland aus hatten wir uns bereits mit Miss Hawley zum Mittagessen verabredet. Wir waren erleichtert, sie in “alter Frische” wiederzusehen. Es geht ihr mit ihren inzwischen 86 Jahren gut und sie ist nach wie vor 100%ig bei der Sache. Wie immer wollte sie genau wissen, was wir vorhaben, wann zu wie´vielt und wie lange.

Am zweiten Nachmittag nahmen wir uns Zeit, wieder einmal die Altstadt von Kathmandu zu besuchen. Seit etlichen Tagen hatte die Müllabfuhr gestreikt, dementsprechend sah es auf den Strassen und es stank vielerorts grausig. Zum Glück war der Streik am nächsten Tag vorbei und die Putzkolonnen kehrten eifrig die Strassen sauber.

Am 04. April sehr früh starteten wir mit einem Bus Richtung tibetischer Grenze. Jetzt konnte es so richtig losgehen. Wir freuen uns beide sehr, dieses Mal nur als Zweierteam gemeinsam mit unserem langjährigen Koch Sitaram zum Everest zu fahren. Aber erst noch mussten wir die Grenze bei Zangmu gut passieren. Wir waren eine der ersten Gruppen dieses Frühjahr, dementsprechend streng und genau kontrollierten die Grenzbeamten unsere gesamte Ausrüstung.

Um 17.00 chinesischer Zeit ( 5.45 Std. vor MEZ ) betraten wir Tibet. Den noch jungen, inzwischen zuständigen Verbindungsoffizier für den Grenzübertritt kennen wir schon seit vielen Jahren, umso mehr freuten wir uns, ihn wieder zu sehen.

Zeitgleich mit uns reisten 3 spanische Bergsteiger (Jesus, Pedro und Alfredo) sowie Rolf Eberhard und Andreas Sippel, die am Nordostgrat unterwegs sein werden an.

Am nächsten Morgen fuhren wir mit einem Jeep weiter nach Nyalam. Wir staunten nicht schlecht, dass die gesamte Strecke asphaltiert bzw. zum Teil betoniert war. Statt der früher üblichen 3,5 Std. Schlaglöcherfahrt benötigten wir nun nur mehr 1.5 Std.!!

In Nyalam auf 3700m trafen wir unseren langjährigen Freund Tashi. Seit über 20 Jahren ist er Mittelsmann zwischen den chinesischen Behörden und den ausländischen Bergsteigern. Zur Eröffnung seines neuen Hotels gab er Abends ein Fest bei tibetischem Tanz und Lagerfeuer.

Unsere erste leichte Akklimatisationswanderung unternahmen wir auf eine 4500m hohe Erhebung gleich hinter Nyalam. Von dort oben hatten wir einen imposanten Blick auf die Berge der Gaurishankar Gruppe und den Jugal Himal südöstlich des Shisha Pangma.

Noch eine weitere Nacht zur besseren und langsamen Höhenanpassung verbrachten wir in diesem kleinen Ort bevor wir am nächsten Tag weiter auf asphaltierter!!! Strasse über den 5050m hohen Lalung Lee Pass nach Tingri fuhren. Für das Frühjahr überraschend trockene Luft erlaubte uns einen glasklaren Blick in die Shisha Pangma Nordflanke. Tingri ist ein mittlerweile großes Dorf auf 4200m gelegen. An die großen Scharen von bellenden Hunden mussten wir uns erst wieder gewöhnen.

Immer mehr vermischt sich die tibetische mit der chinesischen Kultur und Lebensart. Wir begegnen Tibetern telefonierend auf ihren Motorrädern. Anstelle der traditionellen Bambusrohre zur Zubereitung von Buttertee wird inzwischen einfach der elektrische Mixer in Betrieb genommen. Auch hier zieht langsam die Moderne ein.

Auf halbem Weg ins Basislager besuchten wir noch ein tibetisches Dorf namens Zombuk mit den typischen Flachdachhäusern eng aneinander geduckt. Eine Bekannte hatte uns Geld für die von ihr initiierte Schule mitgegeben, das wir an dieser Stelle übergeben haben. Vier kleine Klassenzimmer gibt es, in denen im Moment 35 Schüler von einem chinesischen Lehrer unterrichtet werden. Ohne Engagement dieser Münchner Bergsteigerin in Zusammenarbeit mit Eco Himal würde hier immer noch  Analphabetismus vorherrschen.

Auf holpriger Schotterstrasse ging es die letzten eineinhalb Stunden bis zum sogenannten Chinese Basecamp auf 5200m.  Über Allem dominierte die so beeindruckende Nordwand des Mount Everest. Die fast 3000 Meter hohe Wand lässt einem vorerst das Herz fast in die Hosentasche rutschen.

Deutlich weniger Expeditionen als im Jahr 2005, als wir uns gemeinsam mit Hirotaka schon einmal am Everest versuchten, waren diesmal auf dem Zwei-Fußballfelder-großen Platz anwesend. Internationales Hallo – gute Bekannte von überall aus der Welt sind eingetroffen. Am zweiten  Basislagertag besuchten wir das Kloster Rongbuk, wo wir bereits unsere Pusha für den Everest feiern konnten.

Spät am nächsten Vormittag kam der chinesische Verbindungsoffizier mit drei Helfern und unseren Yakpa´s sowie 8 Yaks. Das gesamte Gepäck und Essen für die kommenden 6 Wochen wurde abgewogen und gerecht auf die Yaks verteilt. Sehr langsam kamen wir auf den unwegsamen Schotterhängen voran. Nur selten steigen Bergsteiger am zentralen Rongbuk Gletscher auf. Unsere Bewunderung für die Yaktreiber mit ihrer grenzenlosen Geduld für ihre Viecher ist endlos. Pfeifend und singend trieben sie ihre Tragtiere stundenlang voran.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir die uns vertraute kleine Mulde auf 5550m. Angekommen! Wegen der Kälte bauten wir nur noch das Küchenzelt und unser kleines Biwakzelt auf. Ein Yakpa holte einen Kanister voll Wasser vom 20 Minuten entfernten Gletscher, Sitaram kochte noch einen Topf voll Nudelsuppe und schon bald lagen wir in unseren Schlafsäcken. Mitten in der Nacht geweckt wurden wir durch ein starkes Gewitter das unmittelbar über uns niederging.

Am nächsten Morgen verabschiedeten sich die Yaktreiber mit ihren weißverschneiten zotteligen Tieren von uns. Plötzlich wurde es hier – nur mehr zu dritt – völlig still und einsam. Was wir als sehr angenehm empfinden!

Die letzten beiden Tage haben wir uns hier gut und gemütlich eingerichtet. Heute Morgen kam der Bruder eines Freundes von Sitaram herauf. Er wird ihm in den nächsten Tagen Gesellschaft leisten und unterstützen. Inzwischen besucht uns auch täglich eine 6 köpfige „Himalaja – Schneehuhnfamilie“.

Die Blauschafe von 2005 haben sich bisher noch nicht blicken lassen. Aber vielleicht ist es noch zu früh. Letzte Nacht hatten wir hier auf 5550 – 10 Grad. Der Frühling darf kommen. 🙂

Voraussichtlich werden wir am 17.04. zum ersten Mal zum Fuß der Everest Nordwand aufsteigen. Dort möchten wir unser großes Ziel zwei Tage lang aus der Nähe beobachten und uns gleichzeitig weiterhin gut zu akklimatisieren.

Für Heute senden wir euch ganz herzliche Grüße aus dem Everest Nordwand Basislager!

Gerlinde und Ralf


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