Nuptse Ostgrat Expedition 2012 – 2. Bericht

Freitag, 20. April 2012

Das Team         Nuptse 7861 m

Liebe Freunde,

Vorgestern Nachmittag erreichten wir das Basislager des Mt. Everest, Lhotse und Nuptse, auf ca. 5300 m gelegen.
Dieses Mal empfinden wir die Atmosphäre hier als sehr angenehm. Bis jetzt sind im Vergleich zu 2009 (unserer Lhotse Expedition), deutlich weniger Leute anwesend, die sich auf dem langen Khumbu-Gletscher gut verteilen.
Unsere Zelte stehen etwas abgelegen in einer sehr ruhigen Gletschermulde, mit einem perfekten Blick auf den Nordwestgrat des Nuptse und den großen Eisbruch. Unser Basislager (die Küche und das Mannschaftszelt) teilen wir mit 4 weiteren Bergsteigern, darunter Rolf Eberhard und Richie Stihler aus Deutschland, die am Lhotse und Mt. Everest unterwegs sind.

     

Die für Umweltschutzbelange zuständige Behörde SPCC (Sagarmatha Pollution Control Commité) hat neue Regeln aufgestellt, – was uns gut gefällt. Neben dem Toilettengang, der schon seit 1996 in eine Plastiktonne verrichtet werden muss, der Mülltrennung und überwachten Retourgabe von Gaskartuschen, Batterien, Sauerstoffflaschen, etc., darf nun auch kein hochprozentiger Alkohol mehr verkauft und getrunken werden. Zudem dürfen keine großknochigen Fleischstücke mehr hier hoch transportiert werden.

Wir sind nicht schnurstracks hierher gekommen. Die letzte Woche verbrachten wir am 6000er Lobuje East beim Fotografieren für unsere Partnerfirmen Lowa, Deuter, Schöffel und Komperdell. Gleichzeitig konnten wir uns ideal vorakklimatisieren.

Aber zunächst von vorne.
Von Namche Bazar aus wanderten wir in der uns sehr vertrauten, wunderschönen Kulturlandschaft der Sherpas hinauf bis Lobuche 4900 m und von dort eine halbe Stunde weiter, wo wir zwischen großen Felsblöcken auf einer noch braunen Wiese unser Lager aufbauten.

   

Ralf hat es mit einer Erkältung ziemlich stark erwischt, so dass wir noch einen Tag zuwarten wollten, bevor wir in größere Höhen aufstiegen.
Bei erst noch durchwachsenem Wetter (nachmittags schneit es immer noch meistens) verbrachten wir 2 Nächte auf ca. 5600 m und stiegen dann mit unserer gesamten Biwakausrüstung weiter bis zur Ostschulter des Lobuche East auf ziemlich genau 6000 Meter auf.
Obwohl dieser Punkt mittlerweile häufiger für eine gute Vorakklimatisation bestiegen wird, waren wir an diesem Nachmittag völlig alleine oben. Wir stellten unsere kleinen Zelte auf und richteten uns für die Nacht ein.

      
Stundenlang konnten wir uns kaum satt sehen an diesem einzigartigen Bergpanorama. Wir haben alle drei schon viel gesehen. Was sich an diesem Abend aber im aller schönsten gelb-orangenem Licht über einer geschlossenen tiefliegenden Wolkendecke darbot, ist kaum zu übertreffen. Wir waren umzingelt von Mt. Everest, Lhotse, Nuptse, Makalu, Baruntse und Ama Dablam und vielen anderen Bergen im Osten und Süden. Einmal mehr beeindruckte uns die Nordwand des Taboche und Cholatse. Den wunderschönen aber sehr Eisschlag gefährlichen Pumori hatten wir im Norden direkt vor unseren Nasen.
Ralf und David tobten sich mit Fotografieren und Filmen aus. Ich saß beim Zelteingang, schmolz Schnee und wir freuten uns sehr, hier oben zu sein.
Nach Sonnenuntergang sank die Temperatur rasch ab und um 19.30 Uhr lagen wir bereits in unseren warmen Schlafsäcken.

Am nächsten Morgen erreichte uns die Sonne um 6.30 Uhr. Der erste Blick – nach dem Öffnen des Reißverschlusses unseres Zeltes – fiel auf den Nuptse und Mt. Everest. Keinem Menschen wäre zu verdenken, würde er auch gerne hier her möchten. Die großartige Dimension unserer Natur, ihre  Einzigartigkeit und ihr Wert, wird uns hier, weit weg von jeglichem Komfort, jeglicher  Ablenkung, wieder stark bewusst. Wirklich begreifen oder erfassen lässt sie sich nicht, was auch gar nicht wichtig ist. Wir nehmen diese Momente einfach bewusst und voller Freude auf und schätzen es immer wieder, diesen Weg gehen zu dürfen.

      

Zu einem späten Frühstück trafen wir wieder bei unserem Lieblingskoch und langjährigem Freund Sitaram Rai im Lobuche Basislager ein. Nachmittags waren wir beschäftigt mit Trocknen und  Zusammenpacken unserer Ausrüstung, denn am nächsten Morgen brachen wir mit Yaks und 2 Yaktreiberinnen ins Nuptse-Everest- Lhotse Basislager auf. Die nächsten Tage werden wir hier im Basislager verbringen. Ralf muss noch seine Erkältung ganz auskurieren, unser Material möchten wir sortieren und am 22. April soll der am besten geeignete Tag für die Puja Zeremonie sein. Vor dieser Zeremonie würden wir ohnehin nicht durch den sehr gefährlichen Eisbruch steigen wollen.

Für heute verabschieden wir uns und senden euch ganz herzliche Grüße.

Bis bald – und wir wünschen euch einen schönen verbleibenden April.

Herzlichst!

Gerlinde


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Nuptse Ostgrat Expedition 2012 – 1. Bericht

 

Kathmandu am 03.04.2012

Das Team         Nuptse 7861 m

Liebe Freunde,

endlich sind wir wieder hier in Kathmandu, wo wir vorgestern ankamen.
Ganz besonders haben wir uns auf diesen Start gefreut, war es zu Hause doch über lange Zeit ziemlich turbulent.
Im kleinen Team – mein Mann Ralf, unser Freund David Göttler und ich – möchten wir versuchen, den noch unbestiegenen Ostgrat des wunderschönen Nuptse (7861m ) im “Khumbu” zu besteigen. Dieser über 3,5 Kilometer lange Grat bildet mit Lhotse und Mt.Everest ein, geografisch gesehen, gigantisches Hufeisen.
Ralf kletterte bereits 1989 über den Nordwestgrat zum Nuptse Nordwestgipfel und 1996 mit Axel Schlönvogt über den sehr eindrucksvollen Nordpfeiler bis zum Hauptgipfel.
David wollte ursprünglich in diesem Frühling den Makalu-Westpfeiler versuchen, jedoch fielen ihm zwei Teamkollegen aus, sodass er nun bei uns mit dabei sein wird. Eine Entscheidung die wir erst kurz vor unserer Abreise getroffen haben. Wir freuen uns, wieder einmal gemeinsam mit ihm unterwegs zu sein.

Hier in Kathmandu tut sich einiges. Die Regierung hat beschlossen, die Straßen aufgrund des seit Jahren steigenden Verkehrsaufkommens zu verbreitern (Straßenbahnen sind leider noch keine in Sicht). Überall wird gegraben und geschaufelt.

Morgen werden wir, sofern es das Wetter zulässt, nach Lukhla hinauffliegen, wo unser Anmarsch ins Everest Gebiet beginnt. So oft schon waren wir im Khumbu, der Heimat der Sherpas, unterwegs. Jedes Mal wieder freuen wir uns sehr auf diese wunderschöne Kulturlandschaft und die mittlerweile vielen guten Bekannten und Freunde.

Für´s Erste verabschiede ich mich, sende viele liebe Grüße und wünsche euch einen guten Start in den Frühling!

Herzlichst Gerlinde


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Das Team

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Gerlinde Kaltenbrunner

Das Interesse von Gerlinde Kaltenbrunner für das Bergsteigen wurde schon in jungen Jahren geboren und gepflegt. Den markanten Einstieg in die Welt der Berge bewirkte der Gemeindepfarrer Dr. Erich Tischler. Er nahm Gerlinde nach der sonntäglichen Messe auf zahlreiche Bergtouren mit. Ihr größter Traum – einen Achttausender zu besteigen – ging im Alter von 23 Jahren mit der Besteigung des Broad Peak Vorgipfels in Pakistan in Erfüllung. Seither ließ sie der Gedanke an die hohen und höchsten der Berge nicht mehr los. In den folgenden Jahren steckte sie das Gehalt, das sie als Krankenschwester verdiente, in Expeditionsreisen. Nach der Besteigung des Nanga Parbat 2003 verschrieb sie sich voll und ganz dem Profibergsteigen. Heute vermerkt Gerlinde alle vierzehn bestiegene Achttausender Hauptgipfel. Mit der Besteigung des K2 ist sie die erste Frau, die sämtliche Achttausendergipfel ohne Zuhilfenahme von künstlichem Sauerstoff erreicht hat. Ihre Leidenschaft gilt jedoch nicht allein den hohen Bergen des Himalajamassivs, auch von den Menschen und deren fremder Religion und Kultur lässt sie sich bewegen und verzaubern.

Ralf Dujmovits

Ralf Dujmovits lebt mit seiner Frau Gerlinde Kaltenbrunner im Schwarzwald und ist mit ihr wann immer es die Zeit zulässt beim Sportklettern, unterwegs in den Alpen oder beim Expeditionsbergsteigen. Er war zwischen Schule und Medizin-Studium ein Jahr auf Weltreise, bestieg später mit Kunden die höchsten Berge auf allen sieben Kontinenten und stand als erster Deutscher auf den Gipfeln aller 14 8000er. Der Öffentlichkeit wurde er durch die 33-stündige Live-Übertragung einer Durchsteigung der Eiger-Nordwand bekannt. Er zählt mit über 40 Expeditionen zu den erfahrensten Höhenbergsteigern und Bergführern weltweit. 20 Jahre leitete er das Unternehmen AMICAL alpin, europäischer Marktführer im Bereich professionell geführter Expeditionen. www.ralf-dujmovits.de 

 

David Göttler

Die Berge bestimmen sein Leben. Schon frühzeitig ging David mit seinem Vater zum Bergsteigen und bekam die Lust am Reisen mit in die Wiege gelegt. Die Passion Bergsteigen bringt ihn beruflich und privat immer von neuem in ferne Gegenden, interessante Landschaften, an Grenzen und bereichert ihn laufend mit neuen Bekanntschaften. Seit 2003 arbeitet David Vollzeit als Bergführer und kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen. „Das Bergsteigen ist für mich weit mehr als ein Hobby. Es ist mein Leben, meine Leidenschaft, stets präsent. Es erfüllt und fordert mich wie keine andere Tätigkeit. Ich liebe die Elemente: das Eis, den Wind, den Schnee. Ich liebe die Ausgesetzheit, das Drausensein, das Abenteuer. Ich schätze die Freunschaft, deren Wesen und unmittelbare Nähe mir am Berg so intensiv begegnet. In dem mit höchster Konzentration ausgeführten Kletterzug, mit dem Wissen um die Konsequenz eines Fehlers, entdecke ich immer wieder eine Herausforderung, deren Annahme nicht mehr und nicht weniger bedeutet als – zu leben“. www.straight-to-the-top.eu


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Nuptse 7861 m

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Der Nuptse bildet gemeinsam mit Lhotse und Mt. Everest ein gigantisches Hufeisen. Die meisten Teile dieses Hufeisens wurden bisher bestiegen, einzelne Abschnitte jedoch noch nicht. Einer davon ist der ca. 3,5 km lange Ostgrat zum Hauptgipfel des Nuptse. Er trägt zahlreiche kleinere Gipfel, wovon die prominenteren (in Ost-West-Richtung ab Nuptse-Lhotse Sattel 7556 m) die folgenden Höhenkodierungen tragen:

                     Nuptse Shar  III 7695 m (Shar = Ost)
                     Nuptse Shar II 7776 m
                     Nuptse Shar I 7804 m
                     Nuptse II 7827 m

Lediglich ein weiterer weniger prominenter Punkt im Ostgrat, der Punkt 7726, wurde einmal von Valerie Babanov und Yuri Koshelenko berührt, nachdem sie als erste den sogenannten „Diamond-Pillar“in seiner ganzen Länge durchstiegen hatten.

Erstmals bestiegen wurde der Nuptse Hauptgipfel durch eine britische Expedition unter der Leitung von Sir Christian Bonington. Am 16. Mai 1961 erreichten Dennis Davis and Sherpa Tashi über den zentralen Südpfeiler den Gipfel. Einen Tag später konnte die Besteigung durch Chris Bonington selbst sowie Les Brown, James Swallow und Sherpa Pemba wiederholt werden.

Die zweite Route zum Hauptgipfel und gleichzeitig die dritte Besteigung gelang am 19. Oktober 1979einem kleinen Team um Doug Scott. Im Alpinstil aus dem Western Cwm über den markanten Nordpfeiler kommend gelangten der Franzose Georges Bettembourg und die Engländer Alan Rouse, Brian Hall und Doug Scott nach zwei Biwaks zum höchsten Punkt.

Erst im Herbst 1996 erfolgte die insgesamt vierte Besteigung des Nuptse über die Scott-Route. In einem Tag im Auf- und Abstieg ab ihrem Hochlager am Pfeilerfuß auf ca. 6800 m gelangten Axel Schlönvogt und Ralf Dujmovits ohne weiteres Biwak zum Gipfel.

Die letzte und bisher nur fünfte Besteigung des Nuptse Hauptgipfels gelang den argentinischen Brüdern Willi und Demian Benegas. Über eine steile Route rechts des Nordpfeilers stiegen sie im Frühjahr 2003 mit 5 Biwaks zum Gipfel.

Irrtümlicherweise wird der Nuptse Nordwest-Gipfel (oder Nuptse Nup II (Nup = West)) oft als vermeintlicher „Nuptse-Gipfel“ verstanden. Besonders vom höchsten Punkt des 5000er-Trekking-Gipfels „Kala Patar“ erscheint der Nuptse-NW-Grat als DIE Himmelsleiter schlechthin. Erstmals in seiner ganzen Länge bestiegen wurde der Grat 1984 von einer französischen Expedition unter der Leitung von Raymond Renaud. Die zweite Besteigung des Nuptse NW-Gipfels gelang einer Expedition um Ralf Dujmovits Anfang November 1989.

Eine weitere Besteigung des NW-Gipfels gelang im Oktober 1997 den Slowenen Janez Jeglic und seinem Landsmann Tomaz Humar. Nach der Durchsteigung der 2500 m hohen Westwand erreichte Humar bei aufkommendem Sturm 15 Minuten nach Jeglic den Gipfel. Jeglic’s Spuren am Gipfelgrat endeten dort aber abrupt – offensichtlich war er vom Sturm vom Grat geblasen worden. Humar stieg unter schwierigen Verhältnissen die Route solo wieder ab – Wintereis und Felskletterei im jeweils 5. Grad musste er mit 50 Meter verbleibendem Seil bewältigen.

Der Grat zwischen NW-Gipfel über den 7784 m hohen Nuptse Nup I zum Hauptgipfel wurde wie der Nuptse-Ostgrat noch nie begangen.

Während der Nuptse NW-Gipfel dramatisch steil nach Norden ins Western Cwm, nach Westen zum Khumbu-Gletscher oder über die 5 km breite Südwand abfällt, beträgt die Schartentiefe nach Osten zwischen Lhotse und Nuptse nur 305 m (= Topographische Prominenz zwischen Nuptse-Lhotse Sattel 7556 m zum Hauptgipfel 7861 m).


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