K2 Expedition 2009 (2. Versuch) – Es hat nicht sollen sein

04/08/2009 12.30 Uhr

Leider hat es wieder nicht sollen sein! Gerlinde ist im Abstieg.

Letztlich war sie gemeinsam mit den beiden Kasachen und dem Russen im brusttiefen Schnee stecken geblieben und nicht mehr vorwärts gekommen. Die fortgeschrittene Zeit hat sein übriges dazu gegeben und so mussten die vier letztlich bei schönstem Wetter den Abstieg antreten. Um kurz nach 16:00 Uhr Ortszeit hat sich Gerlinde nochmals gemeldet: äußerst angestrengt, etwas traurig und gleichzeitig glücklich über diesen wunderschönen, von Dr. Karl Gabl in Innsbruck perfekt vorher gesagten Tag. Alle haben ihr bestes gegeben, die Natur war und ist einfach stärker gewesen und das muss man akzeptieren können. Es soll wohl dieses Jahr mit einer Besteigung einfach nicht sein.

Schon während des Aufstieg durch den Flaschenhals war links der Bergsteiger ein Eisstück des überhängenden Seracs abgebrochen, krachend in die Tiefe gestürzt und hatte alle heftig verschreckt. In der Querung nach links wurde der Triebschnee dann immer tiefer und letztlich hat hinzukommender Schwimmschnee das Vorwärtskommen verunmöglicht.

Die beiden Kasachen haben Gerlinde zu Beginn des Abstiegs gefragt, ob sie nicht noch mal auf der Schulter (auf fast 8000m) übernachten möchte und morgen mit Ihnen einen weiteren Aufstiegsversuch unternehmen möchte, – was aber Gerlinde vernünftigerweise abgelehnt hat. Nachdem sie Ende Mai auf dem Lhotse stand, jetzt zwei mal auf ca. 8300 m war, wäre die Chance sich mit dem stark eingedickten Blut evtl. eine Thrombose oder gar Schlimmeres einzuhandeln einfach zu groß.

Im Laufe des Nachmittags wird Gerlinde noch ein Stück weit über die Cesen-Route alleine absteigen und evtl. am Platz von Lager III oder Lager II übernachten. Ich habe sie gebeten, kein unnötiges Risiko in Kauf zu nehmen und tatsächlich vor dem letzten Abstieg nochmals auszurasten.

Sobald mich Gerlinde vom Abstieg an sicherer Stelle per Satelliten-Telefon erreicht, werde ich hier nochmals einige Zeilen vermerken.

Zunächst wieder beste, etwas entspanntere Grüße,

Ralf Dujmovits


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K2 Expedition 2009 (2. Versuch) 5. update

04/08/2009 11:00 Uhr

Vor wenigen Minuten hat sich Gerlinde gemeldet – von knapp oberhalb der Unterquerung des großen Seracs (ca. 8300 m). Gemeinsam mit den beiden Kasachen Maxut Zhumayev und Vassily Pivtsov sowie dem Russen Serguey Bogomolov versucht sie derzeit im brusthohen Schwimmschnee noch vorwärts zu kommen. Es muss unglaublich anstrengend und schwierig – gleichzeitig sicher auch sehr gefährlich – sein. Die vier wollen versuchen ein Stück weit zu queren um evtl. noch bessere Schneeverhältnisse vorzufinden. Nachdem die Uhrzeit schon wieder sehr fortgeschritten ist (15:00 Uhr pak. Ortszeit) wird es natürlich auch zeitlich wieder sehr knapp. Ich habe Gerlinde deshalb eher in Richtung Umkehr versucht zu motivieren.

Derzeit sind die Kasachen/Russen am Überlegen evtl. morgen nochmals einen Versuch zu unternehmen, was aus meiner Sicht mit der langen Aufenthaltsdauer auf über 8000 m sehr gefährlich ist.

Alle anderen zunächst mit aufsteigenden Bergsteiger darunter Gerfried Göschl und Christian Stangl aus Österreich sind bereits im Abstieg.

Ich wünsche Gerlinde von hier aus eine gute Entscheidung. Sobald ich wieder Neuigkeiten von ihr habe melde ich mich wieder.

Mit äußerst angespannten Grüßen,

Ralf Dujmovits


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K2 Expedition 2009 ( 2. Versuch) 4. update

04/08/2009 09:00 Uhr

Nach einer spannenden Nacht kann ich leider immer noch keine Nachrichten von Gerlinde vermelden. Anscheinend ist oder war es wohl anstrengender und schwieriger als erwartet unter dem großen, überhängenden Serac nach links in weniger anspruchsvolles Gelände hinauszuqueren.

Laut den Informationen von Gerfried Göschl’s Homepage befinden sich ca. 9 Bergsteiger am Ende der Bottleneck-Traverse auf ca. 8250m befinden. Unter ihnen auch Gerlinde. Die Bergsteiger kämen nur sehr langsam voran. Sepp Bachmair hätte wohl umkehren müssen, nach unbestätigten Angaben von Everestnews auch Fabrizio Zangrilli und zwei seiner Kollegen.

Ich hoffe, gegen später mit Gerlinde reden zu können und würde in diesem Fall über die Neuigkeiten gleich informieren.

Beste Grüße,

Ralf Dujmovits


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K2 2009 ( 2. Versuch) 3. update, Teil II

3. August 2009

Nach langem, spannenden Warten hat sich gerade eben Gerlinde wieder gemeldet: Sie hatte in den vergangenen Stunden die Schulter im teilweise tiefen Triebschnee hinaufgespurt, den eigentlichen Platz von Lager IV in der Mitte der Schulter erreicht, dort Maxut, Vassily und Serguey (s.u.) angetroffen die vom Abruzzengrat heraufgespurt hatten, ihr Zelt aufgebaut und begonnen Schnee zu schmelzen. Als 1 1/2 Stunden später auch Fabrizio ankam, half sie diesem noch eine Plattform auszuschaufeln und sein Zelt aufzubauen.

Jetzt sitzt Gerlinde guter Dinge in ihrem Zelt und trinkt, und schmilzt Schnee, und trinkt …. so viel es geht.

Im Aufstieg zum Lagerplatz hatte Gerlinde zwischen Schulter und Biwakplatz teilweise sehr schlechte bis gar keine Sicht. Glücklicherweise riss gegen später der Nebel aber auf, so dass sie letztlich den Biwakplatz der Kasachen fand. Maxut und Vassily (beide wie Gerlinde 12 8000er) kennt Gerlinde vom Nanga Parbat, wo sie vom kasachischen Team den Spitznamen „Cinderella Caterpillar“ bekam. Der immer freundliche und unglaublich leistungsstarke Maxut und sein Freund Vassily waren auch parallel zu uns im vergangen Frühjahr am Lhotse unterwegs, leider ohne Erfolg. Gemeinsam werden sie Morgen früh um 00:00 Uhr in Richtung Gipfel starten.

Gerlinde ist wirklich guter Dinge für den morgigen Tag – die äußeren Bedingungen sind prima, trotz aller Anstrengung ist sie dankbar, dass ihre Kondition gut passt, die kasachischen Freunde werden ihren Teil zum guten Gelingen beitragen. Und so können wir für morgen nur fleißig alle Daumen drücken, dass Gerlinde wieder gut und gesund zurück kommt! Allen, die sie geistig unterstützen möchte sie danken und grüßt alle ganz lieb von der Schulter des K2.

In spannender Erwartung einer schlaflosen Nacht,

Ralf Dujmovits


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