Nuptse 7861 m

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Der Nuptse bildet gemeinsam mit Lhotse und Mt. Everest ein gigantisches Hufeisen. Die meisten Teile dieses Hufeisens wurden bisher bestiegen, einzelne Abschnitte jedoch noch nicht. Einer davon ist der ca. 3,5 km lange Ostgrat zum Hauptgipfel des Nuptse. Er trägt zahlreiche kleinere Gipfel, wovon die prominenteren (in Ost-West-Richtung ab Nuptse-Lhotse Sattel 7556 m) die folgenden Höhenkodierungen tragen:

                     Nuptse Shar  III 7695 m (Shar = Ost)
                     Nuptse Shar II 7776 m
                     Nuptse Shar I 7804 m
                     Nuptse II 7827 m

Lediglich ein weiterer weniger prominenter Punkt im Ostgrat, der Punkt 7726, wurde einmal von Valerie Babanov und Yuri Koshelenko berührt, nachdem sie als erste den sogenannten „Diamond-Pillar“in seiner ganzen Länge durchstiegen hatten.

Erstmals bestiegen wurde der Nuptse Hauptgipfel durch eine britische Expedition unter der Leitung von Sir Christian Bonington. Am 16. Mai 1961 erreichten Dennis Davis and Sherpa Tashi über den zentralen Südpfeiler den Gipfel. Einen Tag später konnte die Besteigung durch Chris Bonington selbst sowie Les Brown, James Swallow und Sherpa Pemba wiederholt werden.

Die zweite Route zum Hauptgipfel und gleichzeitig die dritte Besteigung gelang am 19. Oktober 1979einem kleinen Team um Doug Scott. Im Alpinstil aus dem Western Cwm über den markanten Nordpfeiler kommend gelangten der Franzose Georges Bettembourg und die Engländer Alan Rouse, Brian Hall und Doug Scott nach zwei Biwaks zum höchsten Punkt.

Erst im Herbst 1996 erfolgte die insgesamt vierte Besteigung des Nuptse über die Scott-Route. In einem Tag im Auf- und Abstieg ab ihrem Hochlager am Pfeilerfuß auf ca. 6800 m gelangten Axel Schlönvogt und Ralf Dujmovits ohne weiteres Biwak zum Gipfel.

Die letzte und bisher nur fünfte Besteigung des Nuptse Hauptgipfels gelang den argentinischen Brüdern Willi und Demian Benegas. Über eine steile Route rechts des Nordpfeilers stiegen sie im Frühjahr 2003 mit 5 Biwaks zum Gipfel.

Irrtümlicherweise wird der Nuptse Nordwest-Gipfel (oder Nuptse Nup II (Nup = West)) oft als vermeintlicher „Nuptse-Gipfel“ verstanden. Besonders vom höchsten Punkt des 5000er-Trekking-Gipfels „Kala Patar“ erscheint der Nuptse-NW-Grat als DIE Himmelsleiter schlechthin. Erstmals in seiner ganzen Länge bestiegen wurde der Grat 1984 von einer französischen Expedition unter der Leitung von Raymond Renaud. Die zweite Besteigung des Nuptse NW-Gipfels gelang einer Expedition um Ralf Dujmovits Anfang November 1989.

Eine weitere Besteigung des NW-Gipfels gelang im Oktober 1997 den Slowenen Janez Jeglic und seinem Landsmann Tomaz Humar. Nach der Durchsteigung der 2500 m hohen Westwand erreichte Humar bei aufkommendem Sturm 15 Minuten nach Jeglic den Gipfel. Jeglic’s Spuren am Gipfelgrat endeten dort aber abrupt – offensichtlich war er vom Sturm vom Grat geblasen worden. Humar stieg unter schwierigen Verhältnissen die Route solo wieder ab – Wintereis und Felskletterei im jeweils 5. Grad musste er mit 50 Meter verbleibendem Seil bewältigen.

Der Grat zwischen NW-Gipfel über den 7784 m hohen Nuptse Nup I zum Hauptgipfel wurde wie der Nuptse-Ostgrat noch nie begangen.

Während der Nuptse NW-Gipfel dramatisch steil nach Norden ins Western Cwm, nach Westen zum Khumbu-Gletscher oder über die 5 km breite Südwand abfällt, beträgt die Schartentiefe nach Osten zwischen Lhotse und Nuptse nur 305 m (= Topographische Prominenz zwischen Nuptse-Lhotse Sattel 7556 m zum Hauptgipfel 7861 m).


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