3. Newsletter K2 Expedition 2010
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K2 Basislager, 29.07.2010
Liebe Freunde,
wie oft hatten wir schon vom K2 geschrieben: “Es hat nicht sollen sein”. Ja, auch diesmal, bei unserem ersten Gipfelversuch in diesem Jahr, können wir leider nichts anderes berichten.
Voller Zuversicht und Überzeugung waren wir am 24. Juli um 4.00 Uhr früh gemeinsam mit Frederik, seinem Teamkollegen Trey, Fabrizzio und 3 polnischen Bergsteigern vom Basislager aufgebrochen. Durch den zuvor gefallenen Schnee hatten wir reichlich zu spuren, der starke Wind tat sein Übriges, wir kamen aber ohne Probleme an unserem Biwakplatz auf 6300m an.
Nach einer sehr stürmischen Nacht setzten wir tags darauf erst um 7.15 Uhr unseren Aufstieg bis 7100m fort. Noch wussten wir nicht, dass der Sturm den Bergsteigern am Abruzzengrat in Lager II alle Zelte zerstört hatte und sie wieder ins Basislager absteigen mussten.
Bei uns an der Cesen-Route hatte der Wind ganze Arbeit geleistet, der Schnee war komplett verblasen, sodass wir bis 7100m gute Verhältnisse vorfanden. Zwar blieb uns jegliche Sicht verwehrt und es war sehr kalt, aber wir kamen gut voran und waren voller Hoffnung, dass sich das Wetter bessern würde.
An unserem Biwakplatz vom Akklimatisationsaufstieg angekommen, fixierten wir bei Sturm und Schneefall sofort das Zelt und versuchten, unsere nassen Daunenanzüge, Handschuhe, Fotozeug,… zu trocknen. Wir waren beide sehr gespannt, was uns am nächsten Tag erwarten würde.
Ich stellte mir die Route genau vor, kannte ich sie doch sehr gut, jedoch sah diesmal wieder alles anders aus. Der Wind hatte zum Glück in den Morgenstunden nachgelassen, sodass wir energiegeladen und sehr optimistisch weiterstiegen. Ralf und ich waren voraus und leisteten uns meinetwegen einen “ Verhauer”. Ich war überzeugt, dass wir uns auf ca. 7400m weiter links halten müssten, Ralf tendierte nach rechts. Und Ralf sollte Recht behalten. Wir verloren dadurch eine knappe Stunde, in der uns die Anderen eingeholt hatten.
Die Route zeigte sich dieses Mal völlig anders: wenig Eis, viel brüchiger Fels und ab ca. 7500m immer wieder große Triebschneeansammlungen, die uns ein schnelles Vorwärtskommen unmöglich machten. Der Tag selbst war einmalig, wunderschön und wie von Charly angekündigt, windarm. Im Licht der tiefstehenden Sonne leuchteten die umliegenden und auch fernen Gipfel in einem schier unwirklichen rot. Diese Momente – voller Mystik, Energie, Lebendigkeit – erfüllen mein Dasein unendlich.
Sehr spät erreichten wir knapp unterhalb der Schulter unseren vorgesehenen Biwakplatz. Notdürftig errichteten wir eine kleine Plattform für unser Zelt.
Beide auf dem einzigen engen Liegeplatz sitzend, diskutierten wir, ob wir für den Gipfelversuch heute Nacht, genügend Regeneration hätten. Um Mitternacht erübrigte sich diese Frage dann ohnehin, als der Wind wieder stark zulegte…
Durch die ungemütliche Rastposition und eisigen Zehen starteten wir sehr früh unseren Kocher, bevor wir uns um 8.30 Uhr an den Abstieg machten.
Zum 5. Mal war ich nun an der Schulter oder oberhalb, dennoch verspürte ich kaum Enttäuschung, nach der mich Ralf fragte. So ist es eben, Vergangenes ist vergangen, gedanklich war ich schon wieder mit den Vorbereitungen für den nächsten Versuch beschäftigt.
Am Einstieg wartete unser Küchenhelfer “Serbas” mit Marillensaft (aus getrockneten Aprikosen zubereitet). Er sagte nur zu uns: “Inshallah next time”, Hauptsache gut zurück”. Ja er hatte Recht. Im Abstieg waren wir mit häufigem Steinschlag und unterhalb von 6500m mit sehr viel Schmelzwasser konfrontiert, sodass wir sehr erleichtert waren, um 17.00 Uhr zwar müde aber gut im Basislager angekommen zu sein.
Um 19.00 Uhr lagen wir in unseren Schlafsäcken und erwachten am nächsten Morgen erst um 9.00 Uhr!! Drei Expeditionen vom Abruzzengrat packten heute früh ihr Basislager zusammen und verabschiedeten sich.
Wir werden uns jetzt einige Tage ausrasten und hoffen, dass wir noch eine zweite gute Chance bekommen – und diese dann auch nützen werden können.
An euch alle ein ganz herzliches Dankeschön für`s Daumen halten. Bevor es noch einmal losgeht melden wir uns wieder bei euch!
Inzwischen viele lieben Grüße aus dem im Moment völlig eingetrübten Basislager senden euch
Gerlinde und Ralf
Kurznewsletter K2 Expedition 2010 vom 27/07/2010
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Dienstag, 27. Juli 2010
Heute Morgen um 04:00 Uhr erreichte uns folgende Nachricht von Gerlinde & Ralf aus Pakistan. Gestern sind sie im Triebschnee nur sehr langsam vorangekommen und konnten Ihren Biwakplatz als Ausgangslager für die letzte Etappe erst sehr spät erreichen. Die zu kurze Erholungszeit und in der Nacht aufkommender Wind ließen einen heutigen Gipfelversuch nicht zu. Beide befinden sich bereits im Abstieg zurück ins Basislager.
Das Team um Gerlinde und Ralf
Update um 18.30 Uhr: Gerlinde und Ralf sind wohlbehalten zurück im Basislager
Kurznewsletter K2 Expedition vom 23/07/2010
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Kurznewsletter aus dem K2 Basislager:
Um 15:30 Uhr ging die große Lawine durch das Einstiegscouloir der Cesen-Route ab – perfekt; besser geht’s nicht. Morgen wollen wir nun unseren ersten Gipfelversuch starten.
Die letzten drei Tage hatte es reichlich geschneit – alles zusammengenommen sicher 30- 40 cm Neuschnee hier im Basislager. Schon hatten wir geglaubt, dass wir das von Charly Gabl angekündigte Schönwetterfenster am 27. Juli sausen lassen müssten, da es zu gefährlich wäre durch die oben genannte Einstiegsrinne zu steigen. Und dann vor 2 Stunden der erlösende Lawinenabgang – just in time.
Seit unserer endgültigen Entscheidung macht sich eine sehr positive Anspannung breit. Wir freuen uns, dass es endlich los geht:
Morgen früh um 3:30 Uhr werden wir aufbrechen und versuchen die ersten Schneehänge vor Sonnenaufgang hinaufzuspuren. Um 9:00 Uhr sollten wir dann schon in Lager II sein können. Und wenn alles weiter gut geht würden wir gerne am 26. nachmittags auf der Schulter des K2 ankommen – hoffentlich bereit für den Gipfelaufstieg am 27. Juli.
Sobald wir zurück sind werden wir uns wieder bei Euch melden. Bitte drückt uns fest die Daumen!
Für heute ganz liebe Grüße,
Gerlinde und Ralf
2. Newsletter K2 Expedition 2010
14. Juli 2010
Liebe Freunde,
die letzten Tage sind für uns sehr erfreulich verlaufen. Insgesamt verbrachten wir 4 Tage in der Höhe und durften feststellen, dass unsere Akklimatisation vom Everest erstaunlicherweise noch nicht ganz verflogen war und wir deshalb relativ flott in die Höhe aufsteigen konnten.
Am 08. Juli sind wir vom Basislager auf 4950 m mit Gas und Verpflegung für 4 Tage aufgebrochen. Eigentlich hätte es schon einen Tag früher losgehen sollen, aber mein Magen-Darm-Trakt war mit dem Aufbruch noch nicht ganz einverstanden.
Bei durchgefrorener Schneedecke morgens um 5:00 Uhr standen wir bald am vertrauten Einstieg der Cesen-Route. Die Einstiegsrinne kamen wir gut voran und bald hatten wir die ersten Felsstufen erreicht. Einige Teilnehmer der polnischen Expedition hatten in Lager I auf 5900 m übernachtet und begrüßten uns freundlich. Weiter ging es immer steilere Rinnen hinauf bis wir zum 150 m langen Quergang unter ein Couloir kamen, das zum Platz von Lager II (6300 m) hinaufführt. Bei erstaunlich wenig Schneeauflage fanden wir die Fixseile der vorjährigen Expeditionen, zum Teil ergänzt von neuen Seilen der Polen. Ohne diese Seile in Anspruch genommen zu haben waren wir nach 6 ½ Stunden am Platz von Lager II. Unsere Zeltplattform hackten wir auf einem vereisten Felsband in 2-stündiger Arbeit aus 40cm dickem Eis heraus. Nachdem unser Mini-Zelt endlich ordentlich stand und verankert war, wurde es gemütlicher: Ausspannen, Schneeschmelzen und den vertrauten und lange ersehnten Ausblick auf die umliegenden Karakorum-Berge genießen.
Leider gab meine daunengefüllte Luftmatte den Geist auf und so war es mit der Gemütlichkeit schnell wieder vorbei. Eine Nacht auf eisiger Unterlage stand mir bevor.
Um 6:15 fing die Sonne an das Zeltinnere zu erwärmen doch mein Magen vergönnte uns erstmal einen langen Ruhetag in Lager II. Was akklimatisationstechnisch sowieso gut tat. So hatte Ralf auch Zeit ein verrottetes Zelt aus dem Eis heraus zu hacken und glücklicherweise fand er eine alte Isomatte, die nach eingehender Reinigung sich als gar nicht so schlecht heraus stellte. Ich lag wieder etwas besser.
Am 10. Juli in der Früh stiegen wir weiter auf – bis auf 7100m an diesem Tag. Ein sehr abwechslungsreicher Abschnitt des Aufstiegs. Die Verhältnisse am Berg sind um vieles besser als im vergangenen Jahr. Zwar hat es im Basislager reichlich Schnee, ab 6000m jedoch sehr viel weniger als 2009 oder 2007, – was für uns großen Vorteil bedeutet. Parallel zu uns war Frederik – ein Schwede – aufgestiegen. Bereits im Vorjahr hatte er versucht, orografisch rechts der Cesen Route mit Skiern abzufahren, musste die Expedition aber wegen eines Unfalles abbrechen.
Unterhalb vom Platz von Lager III fixierten wir 100 Meter Seil, es hatte heftig zu stürmen und schneien begonnen. Bei einem Felsabbruch auf 7100m schaufelten wir uns in 1 ½ Stunden eine kleine Plattform, auf der dann auch unser Zelt Platz fand.
Am nächsten Morgen warteten wir vergeblich auf die Sonne. Die typische K2-Wolkenhaube hüllte uns den ganzen Tag ein. Das zum Toilettengang gespannte Fixseil wurde an diesem Tag ziemlich von mir strapaziert, so dass Frederick und Ralf die Zeit nutzten, um 100 m höher für den nächsten Aufstieg nach geeigneteren Biwakplätzen Ausschau zu halten. Zwei Plattformen auf 7200 m waren bald ausgeschaufelt und so war der Rest des Tages ausruhen und akklimatisieren angesagt.
In der darauffolgenden Nacht wurden wir um 3:00 Uhr von aufkommendem, starken Sturm und Schneefall geweckt. Was uns dann etwas später auch das Zusammenpacken nicht wirklich leicht und zu einer eisigen Prozedur machte. 4 Stunden später standen wir bei immer noch starkem Schneefall im Basislager. Ehsan, unser Spitzenkoch, begrüßte uns mit einem Mega Mittagessen – was uns nicht unwillkommen war: das letzte Frühstück auf 7100 m bestand aus 2 Dinkelbutterkeksen und einem Becher Babybrei
Für beide zusammen wohl gemerkt!
Seither sind wir im Basislager und haben von unserem Freund Charly Gabl in Innsbruck die letzten Wetternews bekommen. Es soll relativ trocken bleiben und auch ein Wetterfenster in der nächsten Zeit zeichnet sich eventuell ab. Wir sind sehr gespannt und zuversichtlich, dass es dieses Mal klappen könnte. Gemeinsam dort oben am Gipfel stehen zu dürfen wäre ein wunderbares Geschenk. Wir werden uns dafür tüchtig anstrengen.
Bevor wir zu einem ersten Gipfelversuch aufbrechen werden wir uns nochmals melden.
Bis dahin aus unserem Basislager die allerbesten Grüße,
Gerlinde mit Ralf















