Gipfelmeldung vom Mt. Everest!

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24. Mai 2010

Liebe Freunde,

In der Nacht hatte Ralf entschieden nicht mit zum Gipfel zu starten - eine Erkältung lies für ihn leider keinen Versuch zu. Er wird im letzten Lager auf ca. 8300 m auf Gerlinde warten.

Gerlinde startete wie geplant und konnte heute um ca. 12.30 Uhr nepalesischer Zeit den Gipfel des Everest ohne Zuhilfenahme von künstlichem Sauerstoff erreichen! Um ca. 14:00 Uhr MESZ dann der  erlösende Anruf: Sie ist wohlbehalten zurück im letzten Lager und beide möchten nach kurzer Rast und etwas Aufwärmen noch so weit als möglich weiter absteigen.

Gerlinde, Herzlichen Glückwunsch!!! Kommt gesund zurück ins Basislager!

Das Team um Gerlinde & Ralf

Gerlinde Kaltenbrunner am Gipfel des Mt. Everest

Update 26.05.2010

Gerlinde & Ralf sind in der Nacht von Montag auf Dienstag um 01:00 Uhr noch im nordseitigen Basislager angekommen, und gestern Abend in ihr Nordwand-Basislager zurückgekehrt. Dort standen bereits die Yaks bereit (1 Tag zu früh) – und so wurde das Basislager eiligst zusammengepackt. Jetzt befinden sie sich auf dem Weg ins Chinese Basislager und hoffen heute noch per Jeep weiter nach Nyalam zu gelangen.


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Newsmeldung von der Everest Expedition 2010

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20. Mai 2010

Am Mittwoch 19. Mai sind Gerlinde & Ralf von ihrem Basislager aufgebrochen um ein Wetterfenster, welches sich um den 23. und 24. Mai zeigt, für den Aufstieg zum Gipfel zu nutzen. Heute sind die beiden nun wie angekündigt auf der Odellroute zum Nordsattel auf ca. 7200 m aufgestiegen. Hier werden sie aller Voraussicht nach auch den morgigen Tag verbringen, da die Wetterprognose für den Montag als möglichen Gipfeltag geringere Windgeschwindigkeiten als am Sonntag verspricht.

Es wird spannend  -  drücken Sie fest die Daumen!

Mit herzlichen Grüßen

Das Team rund um Gerlinde und Ralf


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5. Bericht aus dem Everest BC

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Heute hat uns folgender Bericht von Ralf erreicht. Herzliche Grüße aus dem Büro von Gerlinde Kaltenbrunner!

17. Mai 2010

Liebe Freunde,

14 Tage sind seit unserem letzten newsletter vergangen. 14 Tage mit schlechtem bis sehr schlechtem Wetter. In einem seiner Wetterinfos hatte uns Charly Gabl – Freund und Meteorologe mit Kultstatus – zum Beispiel am 11. Mai geschrieben: Wind on Top: MI: W 140 km/h, DO: W 135 km/h, FR: WSW 110 km/h. Auch hier in unserem Basislager hatte es uns ordentlich geschüttelt: zwei Mal wäre bei schweren Sturmböen fast das Küchenzelt weggeflogen. Im ABC am tibetischen Normalweg hat es zahlreiche Zelte zerstört, ganze Messzelte samt schweren Solaranlagen flogen durch die Lüfte.

Gestern und vorgestern nun waren endlich wieder brauchbare Tage und so sind Gerlinde und ich nochmals an den Fuß der Everest-Nordwand gegangen: zum einen um die Akklimatisation aufzufrischen, zum anderen aber auch um die Eisverhältnisse in der Nordwand nach den Schlechtwettertagen zu testen.

Schon im Zustieg verschwand Gerlinde beim Vorausgehen zweimal in zugewehte Gletscherspalten. Die Neuschneeauflage von durchschnittlich 10 – 15 Zentimeter war stellenweise so stark verblasen, dass selbst größere Spalten nicht mehr zu erkennen waren.

Trotzdem konnten wir nach 5 Stunden unser kleines Depot auf dem Gletscherplateau unter der Nordwand erreichen. Auch bei den Temperaturen sollte Charly wie immer recht behalten: in seinem Mail vom 14. Mai hatte er geschrieben: Allerdings sind im Gipfelbereich für den Samstag (also vorgestern, 15.Mai) noch -35 °C lt. Modell zu erwarten. Das langfristige Modell, wie gut das auch stimmen mag,  zeigt für den 22.Mai ein Minimum von -29 °C mit der Tendenz noch steigend an.

Es war eine eisige Nacht; schon bei Sonnenuntergang hatte es -15°C. Umso froher waren wir als gestern morgen (16. Mai), die Sonne unser kleines Zelt erreichte. Ruckzuck hatten wir gefrühstückt, die Rucksäcke gepackt und waren auf dem Weg zum Einstieg der Nordwand. Ein völlig veränderter Bergschrund erwartete uns: wo sich das letzte Mal noch ein 40 Meter tiefer Abgrund aufgetan hatte war dieses Mal eine geschlossene Schneebrücke mit einem 30 Zentimeter breiten Einriss. Die einzige Möglichkeit das senkrechte Eis zu erreichen. Die Verhältnisse waren besser und sicherer als das letzte Mal – ein 20 Qubikmeter großer Eisserac war herunter gebrochen und bedrohte den Aufstieg nicht mehr.

Vier Eisschrauben später stand ich an der Oberkante des Eisabbruchs. Was dann kam war ziemlich spannend: Die beiden Eisgeräte in unsicherer Schneeauflage oberhalb der Kante gesetzt, stürzte wie aus heiterem Himmel eine minutenlange Spindriftlawine (siehe Bild) auf mich nieder. Es fehlte die Luft, die um die Griffe der Eisgeräte gespannten Hände wurden allmählich lahm und die Füße – noch im senkrechten Eis – waren nicht mehr zu sehen und zu spüren. Endlich ließ der Spindrift nach und ich konnte mich über die Kante in etwas flacheres Gelände retten. Kaum hatte ich eine Eisschraube gedreht kam die nächste Ladung Spindrift. Gerlinde bereits im Nachstieg. Prost! Als sie über die Kante und an den Stand kam sah sie aus wie ein Schneemann.

Wir stiegen noch ein paar Seillängen weiter und seilten dann an Abalachow-Eissanduhren ab.

Am Abend zurück im Basislager dann das entscheidende Gespräch: Gerlinde würde gerne bei der nächsten Schönwetterphase mit den aktuellen Verhältnissen den Durchstieg durch die Wand wagen wollen. Mir geht es ganz anders: Die Schneebedeckung der letzten Schlechtwetterperiode hat sich wegen der tiefen Temperaturen nur an wenigen Stellen mit dem darunter liegenden blauen Blankeis verbunden. D.h. wir würden uns an vielen Stellen gegenseitig sichern müssen, was sehr viel zusätzliche Zeit in Anspruch nehmen würde. Damit wäre abzusehen, dass wir öfter als die beiden vorgesehenen Male in der Wand biwakieren müssten. Weitere brauchbare Biwakplätze sind keine vorhanden, aus dem Eis welche herauszuhacken braucht Stunden und sehr viel Kraft und an die nötige Erholung wäre auf solchen Miniplätzen nicht zu denken. Eine Schönwetterperiode von mehr als drei Tagen zu erwischen wäre zudem äußerst ungewiss. Selbst schwacher Wind führte dazu, dass der locker aufliegende Schnee im Japaner-Couloir als große Mengen Spindrift herunterkämen, – was das Vorwärtskommen wiederum gefährlicher und langsamer machen würde.

Für mich kommt der Wanddurchstieg nicht in Frage und so habe ich Gerlinde gebeten mit mir über die Odellroute auf 7200m auf den N- bzw. NO-Grat auszuweichen. Diesen bis zum Gipfel ohne Zusatz-Sauerstoff zu erreichen ist immer noch Herausforderung genug. Die Wahrscheinlichkeit gesund im Basislager anzukommen ist dabei deutlich größer.

Ich muss einsehen, dass ich nicht mehr so wagemutig bin wie in jungen Jahren. Vielleicht sehe ich mit jahrzehntelanger Erfahrung aber auch die Risiken und Gefahren zu sehr im Vordergrund. Vielleicht habe ich in den langen Jahren des Unterwegs-Seins auch zu viele tödliche Unfälle an den höchsten Bergen gesehen. Vielleicht ist es auch alles zusammen genommen, was mir einen Durchstieg nicht erlaubt.

Auf jeden Fall wird Gerlinde auf die Wand, auf die wir uns so lange vorbereitet haben, mir und meiner Intuition zu Liebe verzichten.

Charly sagt für die Tage nach dem 22. Mai ein paar windschwächere Tage voraus. Vielleicht ist unsere Zeit für einen Gipfelaufstieg dann doch gekommen.

Mit einem herzlichen Gruß aus unserem einsamen Basislager,

Ralf Dujmovits


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Everest basecamp – 4. Bericht

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9. Mai 2010

Liebe Freunde,

noch immer befinden wir uns hier im vorgeschobenen Basislager.

Die ersten Tage nach unserer Rückkehr waren notwendig, um uns auszurasten und zu regenerieren nach den Tagen und Nächten in der Höhe. Nun aber wären wir mehr als erholt und warten sehnlich auf gute Nachrichten von Charly Gabl. Im Moment bläst es aber im Gipfelbereich sehr stark und auch die nächsten Tage soll der Jet noch anhalten. Charly kündigt Windgeschwindigkeiten zwischen 110 km/h (Montag) und 150 km/h  (Mittwoch) an. Einmal öfter ist Geduld gefragt.

Gestern stiegen wir in das chinesische Basislager ab. Hat gut getan, – wir trafen unsere Freunde, die  vom nordseitigen ABC ins B.C. zur Erholung abgestiegen sind. Ihr vorgeschobenes Basislager liegt deutlich höher auf 6400m, in dieser Höhe ist wirkliche Regeneration kaum mehr möglich.

Ralf und ich sind in diesen Tagen viel am Lesen, Musik hören, und immer wieder steigen wir auf die Moräne über unserer Basislagermulde, von wo aus wir die komplette Nordwand einsehen können. Im Moment liegt mehr Schnee im Couloir, was wahrscheinlich der Jet in den nächsten Tagen wieder vollkommen “ausputzen” wird. Die Temperaturen sind zu niedrig, sodass sich der Schnee mit dem Eis nicht verbinden kann. Im Gipfelbereich herrschen im Moment -32 bis -35° Celsius.

Ja, abwarten ist an der Tagesordnung! Bestimmt kommen einige windarme Tage. Die Hoffnung stirbt zuletzt :-)

Bevor wir aufbrechen, melden wir uns noch einmal bei euch.

Für Heute einen herzlichen  Gruß und bis hoffentlich bald wieder.

Gerlinde und Ralf


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